Was ist die Earn-Out Klausel beim Unternehmensverkauf?

Beim Verkauf eines Unternehmens sind sich Käufer und Verkäufer nicht immer über den Preis einig. Dies ist oft darauf zurückzuführen, dass sie unterschiedliche Perspektiven auf das Zielunternehmen haben: Während der Käufer alle Risiken auslotet, will der Verkäufer mit dem Potenzial des Unternehmens groß gewinnen. 

Manchmal können die Preisvorstellungen deshalb sehr weit auseinander liegen. Die Earn-Out-Klausel ist ein Teil des Kaufvertrags, der beide Parteien in einer solchen Situation zufriedenstellen kann. Doch ein Earn-Out sollte auch mit Vorsicht angegangen werden. Er vereinfacht zwar einige Prozesse, ist aber auch mit einer Vielzahl von Risiken verbunden. 

Was genau ist ein Earn-Out und für wen lohnt sich diese Vertragsklausel?

Was ist ein Earn-Out?

Ein Earn-Out ist eine vertragliche Bestimmung für einen erfolgsabhängigen Zusatzpreis. Eine Earn-Out Klausel besagt, dass der Verkäufer eines Unternehmens in Zukunft eine zusätzliche Vergütung erhält, wenn das Unternehmen bestimmte finanzielle Ziele in einem bestimmten Zeitrahmen nach Übernahme erreicht. Als Basis wird hierfür üblicherweise ein Prozentsatz des Bruttoumsatzes oder -gewinns genutzt. Gängig sind beispielsweise Umsatz-, Gewinn- oder Cashflow-Ziele, sowie EBIT oder EBITDA. 

Wenn ein Unternehmer einen höheren Preis für sein Unternehmen verlangt als ein Käufer zu zahlen bereit ist, kann eine Earn-Out-Klausel in Anspruch genommen werden. Ein Earn-Out kann eine solche Pattsituation zur Zufriedenheit beider Parteien aufbrechen.

Chancen der Earn-Out Klausel für Käufer

Für den Käufer liegen folgende potentielle Vorteile bei Einsatz einer Earn-Out Klausel vor: 

  • Verlagert das Risiko einer unterdurchschnittlichen Leistung nach der Übernahme vom Käufer auf den Verkäufer.
  • Lässt das Zielobjekt seinen Wert unter Beweis stellen.
  • Bietet die Möglichkeit, den fairen Marktwert des Unternehmens an dessen Leistung auszurichten.
  • Schafft für das “überlebende” Management der Zielfirma (sofern vorhanden) eine Bindung und Anreiz, indem Meilensteine und Ziele an die Ergebnisse nach Übernahme gebunden werden.
  • Bietet unterkapitalisierten Käufern die Möglichkeit, ein attraktives Unternehmen noch rechtzeitig zu erwerben, um den verbleibenden Kapitalbedarf zu überbrücken. In vielen Fällen ist der Käufer in der Lage, die Akquisition teilweise aus den Erträgen des Zielunternehmens zu bezahlen.
  • Es ist ein Indikator für die tatsächlichen Erfolgschancen des Unternehmens: Zielfirmen von geringer Qualität zögern in der Regel, diese Art von Struktur zu akzeptieren, da das Management der Zielfirma weiß, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit des Earn-Outs gering ist.

Chancen der Earn-Out Klausel für Verkäufer

Für den Verkäufer gibt es vor allem eine riesengroße Chance: Die Earn-Out Klausel bietet die Möglichkeit für einen zukünftig höheren Verkaufspreis als das Zielunternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs auf Basis des vom Käufer aktuell geschätzten Wertes erreichen würde. 

Die Kehrseite der Earn-Out Medaille

Wie bei den meisten strukturierten Finanzlösungen gibt es auch bei Earn-Outs ein paar Nachteile. Der größte davon ist das Potenzial für Rechtsstreitigkeiten in der Zeit zwischen dem Verkaufsabschluss und dem Ende der Earn-Out Periode. Obwohl in der Theorie bei Earn-Outs die Interessen sowohl des Käufers als auch des Verkäufers an den finanziellen und operativen Erfolg nach der Übernahme angeglichen werden, gibt es in den meisten Fälle weiterhin Bereiche, in denen die Interessen, Pläne und Präferenzen voneinander abweichen. 

Am Häufigsten ist der Fall, dass der Verkäufer über einen längeren Zeitraum in das Geschäft involviert bleibt und Unterstützung leisten möchte, um den Gewinn zu steigern oder seine Erfahrung zu nutzen, um das Geschäft zum Erfolg zu führen. Ihm ist es schließlich wichtig, dass der zukünftige Gewinn hoch genug ist, um ein Earn-Out zu erreichen. 

Dabei kann es aber zu Streitigkeiten darüber kommen, wie die Zielfirma auf dem Weg zur Erreichung der gemeinsam vereinbarten Ziele nach Verkauf geführt wird. Diese Herausforderung tritt am häufigsten dann auf, wenn die verkaufte Firma Teil eines größeren Unternehmens und einer größeren Strategie wird – denn dann wird sie ab Zeitpunkt des Verkaufs vom Käufer anders geführt als vorher. 

Um dies zu verhindern müssen von Vornherein vertragliche Bestimmungen abgemacht werden, die den Käufer vor möglichen Rechtsstreitigkeiten der Verkäufer schützen. 

Beispiel eines Earn-Outs

Ein Unternehmen erzielt einen Jahresumsatz von 50 Millionen und einen Gewinn von 5 Millionen Euro. Ein potenzieller Käufer ist bereit, 25 Millionen Euro zu zahlen. Der Verkäufer ist der Meinung, dies unterbewerte die zukünftige Wachstumsprognose und verlangt 50 Millionen Euro. Um diese Lücke zu überbrücken, kann ein Earn-Out eingesetzt werden. 

Ein Kompromiss könnte beispielsweise in einer Auszahlung von 25 Millionen Euro und einem Earn-Out von 30 Millionen Euro bestehen, wenn der Umsatz innerhalb von drei Jahren 100 Millionen Euro erreicht; oder in einem Earn-Out von 15 Millionen Euro, wenn der Umsatz nur 70 Millionen Euro erreicht.

Wichtige Elemente und Begriffe eines Earn-Outs

Im folgenden Abschnitt beschreiben wir die Schlüsselelemente, die bei der Strukturierung eines effektiven Earn-Outs zu berücksichtigen und zu kennen sind. 

1. Berechnung des Gesamtkaufpreises (Pay-Out oder Earn-Out Betrag)

Der erste Schritt besteht in der Bestimmung der Höhe des Gesamtbetrags, den der Verkäufer erhalten wird, bzw. erhalten kann sofern die Ziele des Earn-Outs erfüllt werden.

Wenn der Käufer die Anfrage des Verkäufers kennt und eine starke Verhandlungsposition beibehalten möchte, dann legt der Käufer in den meisten Fällen den Gesamtkaufpreis auf der Anfrage des Verkäufers fest. Dies signalisiert dem Verkäufer die Bereitschaft des Käufers, die gesamte Bewertungslücke zu überbrücken, und gibt dem Verkäufer die Möglichkeit, den geforderten Kaufpreis zu verdienen. 

Zu anderen Zeiten ist der Käufer jedoch möglicherweise nicht bereit, die gesamte Bewertungslücke zu überbrücken und setzt stattdessen den Gesamtkaufpreis auf 70% bis 80% des vom Verkäufer geforderten Kaufpreises fest.

2. Fester Basispreis

Im zweiten Schritt wird festgelegt, welcher Anteil des Gesamtkaufpreises gleich im Abschluss der Transaktion bezahlt wird. Aus Sicht des Käufers sollte der maximale Betrag des Basispreises dem Unternehmenswert entsprechen. 

Diese Variable stellt das Risikokapital des Käufers dar; also das Kapital, das abgeschrieben wird, wenn das Ziel deutlich unterschritten wird und der Unternehmenswert sich als niedriger herausstellt als die Basiszahlung. 

3. Bestimmung der Earn-Out Periode

Earn-Out Perioden haben in der Regel eine Dauer von ein bis fünf Jahren, mit einem Durchschnitt von drei Jahren. Die Earn-Out Periode sollte auf jeden Fall lang genug sein, um dem neuen Management genügend Zeit zum Erreichen seiner Ziele zu geben; aber nicht so lang, dass eine „Zielmüdigkeit“ entsteht. 

4. Festlegung der Leistungskennzahlen

Der vierte Punkt besteht darin, die Leistungskennzahlen und den entsprechenden Zahlungsbetrag für das zu erreichende Leistungsniveau zu bestimmen. Solche Kennzahlen sollten einvernehmlich vereinbart, gut verständlich, klar definiert und leicht messbar sein.

Um Risiko und Belohnung auszugleichen, kann die Struktur eine Belohnung für Teilleistungen der Zielfirma vorsehen, auch wenn sie ihre Leistungsziele nicht vollständig erreicht.

5. Zeitpunkt und Fälligkeit der Zahlungen

Außerdem muss bestimmt werden, wann und wie oft Auszahlungen stattfinden, sofern die gemeinsam festgelegten Bedingungen erfüllt werden. Hierfür gibt es zwei allgemeine Optionen: 

  1. mehrfache, abgestufte Messungen und Zahlungen, die jährlich oder öfter durchgeführt werden oder
  2. eine einzige Messung und eine einmalige Zahlung, in der Regel am Ende der Earn-Out-Periode.

Fazit Earn-Out

Ein Earn-Out ist eine vertragliche Bestimmung beim Unternehmensver-/-kauf, die besagt, dass der Verkäufer eines Unternehmens eine erfolgsbasierte, zukünftige Entschädigung erhält, wenn das Unternehmen bestimmte finanzielle Ziele erreicht. Die unterschiedlichen Erwartungen an den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens zwischen einem Verkäufer und einem Käufer werden durch einen Earn-Out gelöst.

Der Earn-Out beseitigt die Unsicherheit für den Käufer, da er nur einen Teil des Verkaufspreises im Voraus bezahlt und den Rest auf der Grundlage der zukünftigen Leistung. Der Verkäufer erhält die Vorteile des zukünftigen Wachstums.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ver-/Käufe von Unternehmen extrem komplex sein können. Die Versäumnisse bei der Durchführung eines solchen Geschäfts trotz monatelanger Sorgfalt und Vorbereitung, des Werbens auf beiden Seiten und der gleichen Bereitschaft zur Wertschöpfung, sind oft auf unvereinbare Differenzen bei der Bewertung oder auf die Unfähigkeit einer oder beider Seiten zurückzuführen, Risiken wirksam zu mindern.

Earn-Outs, auch wenn sie oft schwierig zu verhandeln sind, sind eine der größten Errungenschaften von Unternehmensver-/-käufen. Sie sind ein Instrument mit dem festgefahrene Pattsituationen durchbrochen und Risiken neu verteilt werden können. 

Earn-Outs mit Dragonflip

Wir bei Dragonflip begleiten dich sicher durch den gesamten Prozess des Kaufs bzw. Verkaufs deines Unternehmens – ob mit oder ohne Earn-Out Klausel. Wir sind seit 2017 der führende europäische Unternehmensbroker für E-Commerce Unternehmen und Produktmarken. Es ist unsere Mission, Käufer und Verkäufer erfolgreich miteinander zu verbinden und eine Win/Win-Situation für beide Seiten zu schaffen.

Als potentieller Käufer eines E-Commerce Unternehmens kannst du hier ganz einfach mit uns Kontakt aufnehmen. 

Wenn du dein Unternehmen verkaufen möchtest, kannst du dich hier über den Verkaufsprozess informieren und den Wert deines Unternehmens mit unserem Firmenwert Kalkulator berechnen. 

Asset Deal versus Share Deal: Wann ist welches Vorgehen besser?

Im Allgemeinen gibt es zwei grundlegende Vorgehen beim Kauf und Verkauf eines Unternehmens:

  1. Asset Deal: Erwerb der Vermögenswerte des Unternehmens 
  2. Share Deal: Erwerb der Anteile der Betriebsgesellschaft

Im übertragenen Sinne kannst du also entweder alle oder ausgewählte Regale leer kaufen und zum Schluss die Kasse auch noch mit einpacken (Asset Deal) oder du erwirbst in einem Rutsch den gesamten Laden, inklusive dem gesamten Inventar und Kasse (Share Deal). 

In einigen Fällen sind kommerzielle und steuerliche Erwägungen für die Struktur von vornherein ausschlaggebend. Das ist beispielsweise der Fall, wenn das Zielunternehmen über kritische Lizenzen verfügt, die bei einem Asset Deal nicht an den Käufer übertragen werden können. Dann muss es zum Share Deal kommen. Ein Share Deal ist beispielsweise auch vorzuziehen, wenn das Zielunternehmen erhebliche steuerliche Verluste hat, die vom Käufer genutzt werden können. 

In anderen Fällen fließt die relative Präferenz des Käufers und/oder Verkäufers in die Verhandlungen ein und führt zum einen oder dem anderen Deal. Im Folgenden führen wir einige der wichtigsten Faktoren auf, die jeder potentielle Käufer und Verkäufer eines Unternehmens für die Entscheidung in Betracht ziehen sollte – Share Deal oder Asset Deal? 

Flexibilität

Beim Share Deal hat der Käufer nur sehr begrenzte Flexibilität darüber, welche Vermögenswerte des Zielunternehmens er erwirbt. Er erwirbt schließlich die Aktien der Firma und damit indirekt das Eigentum aller Vermögenswerte. 

Beim Asset Deal hat der Käufer größere Flexibilität darüber, welche Vermögenswerte er erwerben möchte. Meist wird ein Asset Deal aus diesem Grund vom Käufer bevorzugt. 

Haftung

Beim Share Deal erwirbt der Käufer die Firma einschließlich aller inhärenten Verbindlichkeiten – inklusive in der Regel auch die Steuerpflicht. 

Bei einem Asset Deal erbt der Käufer generell nur jene Verbindlichkeiten, die er gemäß den Bedingungen des Kaufvertrags ausdrücklich übernimmt. Manche Verbindlichkeiten, wie beispielsweise Umweltverpflichtungen, folgen meist den damit verbundenen Vermögenswerten ohne dass eine spezifische Übernahme im Vertrag erfolgt. Wenn der Käufer bestimmte Verbindlichkeiten des Zielunternehmens nicht übernehmen möchte, wird er grundsätzlich einen Asset Deal bevorzugen. 

Steuern

Zum Thema Steuern bei Share- oder Asset Deals verweisen wir auf unseren vom Steuerberater erstellten ExpertenartikelVerkauf eines E-Commerce Business – Warum eine steuerliche Prüfung sinnvoll ist”. 

Zitat aus dem Artikel zum Thema Asset Deal und Steuern: 

“[Beim Asset Deal] entsteht der Gewinn auf Ebene der Kapitalgesellschaft. Dieser Gewinn fällt sowohl unter die Körperschaftsteuer als auch unter die Gewerbesteuer, welche summiert eine Steuerlast von zirka 30 % auf den Veräußerungsgewinn ergibt. Das Kapital, welches aus der Veräußerung der Marke entsteht, kann genutzt werden, um innerhalb der Kapitalgesellschaft damit zu arbeiten, Investitionen zu tätigen oder neue Geschäfte aufzubauen. Ebenso kann der Gewinn an die Privatperson ausgeschüttet werden, was allerdings zur Folge hat, dass die Ausschüttung mit mindestens 25 % Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag besteuert wird.

Im Ergebnis führt dies bei einer Thesaurierung des Veräußerungsgewinns auf Gesellschaftsebene zu einer geringeren Steuerbelastung des Gewinns von bis zu 15 %. Erst bei Ausschüttung des Gewinns ist das steuerliche Ergebnis ähnlich wie beim Verkauf des Einzelunternehmens.”

Zitat aus dem Artikel zum Thema Share Deal und Steuern: 

“[Ein Share Deal] hat zur Folge, dass die Privatperson einen Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an der Kapitalgesellschaft hat und grundsätzlich ebenfalls in die Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 17 EStG einzuordnen sind.”

Den kompletten Artikel lesen Sie mit einem Klick hier: Verkauf eines E-Commerce Business – Warum eine steuerliche Prüfung sinnvoll ist

Kapitalgewinne

Beim Share Deal führt der Verkauf in der Regel zum steuerpflichtigen Kapitalgewinn des Verkäufers. Der Verkäufer kann unter Umständen den Kapitalgewinn aus dem Verkauf mit verfügbaren Kapitalverlusten verrechnen, um die Steuerlast zu verringern. Darüber hinaus kann der Verkäufer möglicherweise die lebenslange Befreiung von Kapitalgewinnen nutzen, um den Gewinn aus dem Verkauf der Aktien ganz oder teilweise zu schützen.

Ein Asset Deal kann für die verkaufende Körperschaft zu Kapitalgewinnen führen; bei der Verteilung des Verkaufserlöses durch die verkaufende Körperschaft an ihre Aktionäre können aber auch zusätzliche Steuern anfallen. Von Verkäufern wird oft ein Share Deal bevorzugt, da es zu einer niedrigeren Gesamtsteuerbelastung führen kann als ein Asset Deal.

Besonderheit: Immobilien

Immobilien werden häufig durch Gesellschaften (statt Privatpersonen) gehalten, was die Möglichkeit eines Share Deals bei gewerblichen Immobilienverkäufen besonders interessant macht. Die Immobilie kann durch den Erwerb von Gesellschaftsanteilen der Immobiliengesellschaft mittelbar selbst erworben werden. Die Vermeidung der Grunderwerbsteuer sowie der steuerbegünstigte Veräußerungsgewinn zählen zu den Pluspunkten eines Immobilien-Share Deals. 

Ausnahme: Insolvenz

Bei der Insolvenz kommt ein Share Deal kaum in Frage, da vorhandene Verbindlichkeiten des Zielunternehmens die vorhandenen Vermögenswerte deutlich übertreffen. Beim Asset Deal werden nur die werthaltigen Wirtschaftsgüter der insolventen Firma gekauft und der gezahlte Betrag zur Befriedigung der Gläubiger genutzt. 

Das Motto lautet: Due Diligence

Als Kaufinteressent tust du dir nur selbst einen gefallen, wenn du mit Due Diligence – also der gebotenen Sorgfalt – das Zielunternehmen im Hinblick auf Chancen und Risiken, Abschreibungsvolumen, Haftungsrisiken und wirtschaftliche Stabilität ganz genau prüfst. Schenke dabei den Vertragsverhältnissen besondere Aufmerksamkeit, beispielsweise den in vielen Verträgen enthaltenen “Change-of-Control Klauseln”. Diese räumen Vertragspartnern des Unternehmens ein außerordentliches Kündigungsrecht ein, wenn der Gesellschafterkreis wechselt. 

Fazit: Asset Deal oder Share Deal?

Generell dürfte ein Share Deal in der Praxis häufiger anzutreffen sein als ein Asset Deal. Doch die Tatsache, dass er einfacher umzusetzen ist, sollte bei der Entscheidung für die eine oder andere Struktur nicht ausschlaggebend sein. Ein Unternehmenskauf hat sowohl für Käufer als auch Verkäufer erhebliche steuerliche Folgen – weshalb schlussendlich meist der Steuerberater das letzte Wort hat, um die Entscheidung für einen Asset- oder Share Deal zu fällen.

Amazon Account übertragen

Amazon Account übertragen

UPDATE: Die Richtlinien zur Übertragung ändern sich ständig. Wir haben deshalb eine Facebook-Gruppe gegründet zum Austausch zur Übertragung von Amazon Accounts. >> Zur Gruppe

Ein Amazon Seller Account kann übertragen werden. In den USA war diese Funktion schon lange möglich und jetzt auch auf den europäischen Marktplätzen.

Die Funktion in Seller Central zeigt, dass Account-Übertragungen einen gewöhnlichen Geschäftsvorfall darstellen und bestätigt noch einmal, dass das Geschäftsmodell von Dragonflip auch in Europa “gewöhnlich” ist.

FAQ

Was passiert mit der Ware, die im Amazon Fulfillment Center eingelagert ist?

A: Ein remittieren der Ware ist nicht mehr notwendig. Der FBA Bestand kann durch den neuen Inhaber nach der Identifizierung weiterverkauft werden.

Was sind die Vorteile einer Übertragung?

Die gesamte Account-Historie und Bewertungen bleiben somit erhalten. Außerdem bleibt mühsam angelegter Content erhalten.

Was sind die Nachteile einer Übertragung?

Der neue Account-Inhaber haftet gesamtschuldnerisch gegenüber den Kunden des Ausscheidenden Verkäufers. A-Z-Anträge und Retouren müssen von dem neuen Inhaber übernommen werden.

Was passiert mit den Verkäufer Bewertungen?

A: Sie bleiben erhalten.

Wie lange dauert die Übertragung?

A: Laut Amazon kann die Übertragung länger als 24 Stunden dauern. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Übertragung unter normalen Umständen bereits nach ein paar Stunden angeschlossen ist, wenn alle Unterlagen vorhanden sind.

Muss Amazon der Übertragung zustimmen?

A: Ja, Amazon kann den neuen Inhaber auch ablehnen, wenn diesem z.B. in der Vergangenheit ein Verkäuferkonto von Amazon schon einmal gekündigt wurde. Unter normalen Umständen ist eine Übertragung unproblematisch.

Kann ich zwei oder mehrere Konten zusammenführen?

A: Laut Amazon ist technisch keine Zusammenführung von Verkäuferkonten möglich.

WAS PASSIERT, NACHDEM DER ACCOUNT ÜBERTRAGEN WURDE?

Nachdem die Übertragung des Accounts wie im Video oben beantragt wurde, muss sich der neue Inhaber mit den gleichen Login-Daten einloggen und von seiner Seite aus dem Vertrag zustimmen.

Wichtig: Der Account ist nach der Übertragung zunächst gesperrt bis der neue Inhaber seine Identität bestätigt hat.

FOLGENDE DOKUMENTE WERDEN TYPISCHERWEISE VERLANGT

  • Aktueller Handelsregisterauszug für Kapitalgesellschaften
  • Adressnachweis (z.B. durch Kontoauszüge)
  • Personalausweis des Geschäftsführers
  • Adressnachweis des wirtschaftlich berechtigten (z.B. Verbrauchsrechnungen)

Die Überprüfung kann mehr als 24 Stunden dauern. Danach ist der Account wieder aktiv und der neue Inhaber kann ein Bankkonto für die Auszahlungen hinterlegen.

DAS IST DER ÜBERTRAGUNGSVERTRAG

Nach Akzeptanz des Übertragungsvertrages durch Sie als Vertreter des neuen Unternehmens, gilt dieses Verkäuferkonto als erfolgreich auf die neue juristische Person übertragen.

Verkaufen bei Amazon – Übertragungsvertrag

  • Dieser Verkaufen bei Amazon – Übertragungsvertrag (der „Übertragungsvertrag“) wird zwischen dem aktuellen Inhaber eines „Verkaufen bei Amazon“-Kontos („Ausscheidender Verkäufer”), dem geplanten neuen Inhaber des „Verkaufen bei Amazon“-Kontos („Beitretender Verkäufer”), Amazon Services Europe SARL als Anbieter des „Verkaufen bei Amazon“-Programms und anderer Dienste auf amazon.co.uk, amazon.de, amazon.fr, amazon.it und amazon.es („ASE”), Amazon Payments Europe s.c.a. als Anbieter von Zahlungsdiensten im Zusammenhang mit dem „Verkaufen bei Amazon“-Programm auf amazon.de, amazon.fr, amazon.it und amazon.es („APE”) (sofern zutreffend) bzw. Amazon Payments UK Limited als Anbieter von Zahlungsdiensten im Zusammenhang mit dem „Verkaufen bei Amazon“-Programm auf amazon.co.uk („APUK”) (sofern zutreffend) geschlossen.
  • Der Ausscheidende Verkäufer ist Vertragspartei (i) des Amazon Services Europe Business Solutions Vertrags (Amazon Services Europe Business Solutions Agreement) (der „BSV”) und (ii) des Amazon Payments – Verkaufen bei Amazon Nutzervertrags (Amazon Payments – Selling on Amazon User Agreement) mit APE (der „APE-Vertrag”) und/oder des Amazon Payments UK – Verkaufen bei Amazon Nutzervertrags (Amazon Payments UK – Selling on Amazon User Agreement) mit APUK (der „APUK-Vertrag”). Für die Zwecke dieses Übertragungsvertrags werden der BSV, der APE-Vertrag und der APUK-Vertrag zusammen als die „Verträge” bezeichnet.
  • Der Beitretende Verkäufer hat entweder die Kontrolle über sämtliche Rechte und Vermögensgegenstände in Bezug auf das „Verkaufen bei Amazon“-Geschäft des Ausscheidenden Verkäufers im Wege der Gesamtrechtsnachfolge erlangt oder haftet zusammen mit dem Ausscheidenden Verkäufer gesamtschuldnerisch gegenüber den Kunden des Ausscheidenden Verkäufers, die über das „Verkaufen bei Amazon“-Konto Verträge abgeschlossen haben.
  • Der Ausscheidende Verkäufer möchte seine Rechte und Pflichten aus den Verträgen auf den Beitretenden Verkäufer übertragen. Vorbehaltlich der Bestimmungen dieses Übertragungsvertrags stimmen ASE, APE bzw. APUK der Übertragung der Rechte und Pflichten des Ausscheidenden Verkäufers auf den Beitretenden Verkäufer mit Wirkung zu dem Datum, an dem sowohl der Ausscheidende Verkäufer als auch der Beitretende Verkäufer (oder deren Vertreter) diesem Übertragungsvertrag durch Anklicken zugestimmt haben (das „Datum des Inkrafttretens“), zu. Sämtliche zwischen dem Ausscheidenden Verkäufer und seinen Kunden erfolgten Vertragsübertragungen fallen nicht in den Anwendungsbereich dieses Übertragungsvertrags

1. Übertragung

1.1. Die Parteien vereinbaren, dass mit Wirkung zum Datum des Inkrafttretens der Ausscheidende Verkäufer alle seine Rechte und Pflichten im Hinblick auf die Verträge auf den Beitretenden Verkäufer überträgt. Mit Wirkung zum Datum des Inkrafttretens sind sämtliche Bezugnahmen auf „Sie“, „Ihr“ und „Verkäufer“ in den Verträgen als Bezugnahmen auf den Beitretenden Verkäufer zu verstehen und auszulegen. Der Ausscheidende Verkäufer, der Beitretende Verkäufer und diejenigen Personen, die in deren Namen diesem Übertragungsvertrag zustimmen, sichern zu und garantieren gegenüber ASE, APE und APUK, dass sie befugt und bevollmächtigt sind, diesen Übertragungsvertrag zu schließen, auszufertigen und zu erfüllen.

1.2 Der Beitretende Verkäufer verpflichtet sich, die Verträge zu übernehmen und zu erfüllen, und erkennt ihre Bestimmungen als verbindlich an, als wäre er anstelle des Ausscheidenden Verkäufers die ursprüngliche Vertragspartei gewesen. Der Beitretende Verkäufer übernimmt und erfüllt alle Pflichten aus den Verträgen.

1.3 APE und APUK (sofern zutreffend) nehmen jeweils die Übertragung gemäß vorstehender Ziffer 1.1 an und verpflichten sich, den APE-Vertrag bzw. den APUK-Vertrag zu erfüllen und seine Bedingungen einzuhalten, als ob der Beitretende Verkäufer anstelle des Ausscheidenden Verkäufers die ursprüngliche Vertragspartei gewesen wäre, vorausgesetzt, dass der Beitretende Verkäufer zuvor alle anwendbaren behördlichen Anforderungen erfüllt hat (einschließlich insbesondere alle Pflichten im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Geldwäsche und der Überprüfung von Kunden („Know your Customer“-Pflichten)).

1.4 ASE verpflichtet sich, den BSV zu erfüllen und seine Bedingungen einzuhalten, als ob der Beitretende Verkäufer anstelle des Ausscheidenden Verkäufers die ursprüngliche Vertragspartei wäre.

1.5Unbeschadet weiterer Pflichten aus den Verträgen verpflichten sich der Ausscheidende Verkäufer und der Beitretende Verkäufer gesamtschuldnerisch, ihre Kunden ordnungsgemäß über das Datum des Inkrafttretens sowie z. B. im Falle gesamtschuldnerischer Haftung über die Verteilung von Funktionen und Aufgaben untereinander zu informieren. Ab Datum des Inkrafttretens sind diese bereitgestellten Informationen auch auf den Profilseiten des Beitretenden Verkäufers unter amazon.co.uk, amazon.de, amazon.fr, amazon.it und amazon.es verfügbar.

2. Freistellung von Pflichten

2.1 Der Ausscheidende Verkäufer und der Beitretende Verkäufer haften gesamtschuldnerisch gegenüber ASE, APE, APUK und deren verbundenen Unternehmen für alle Ansprüche, Kosten, Klagen, Rechtsstreitigkeiten oder Forderungen und alle damit zusammenhängenden Verluste, Schäden, Verbindlichkeiten, Urteilssprüche, Steuerveranlagungen, Strafen, Zinsen und Auslagen (einschließlich, aber nicht beschränkt auf angemessene Anwaltskosten), die sich aus Ansprüchen, Klagen, Prüfungen, Ermittlungen, Untersuchungen oder anderen von natürlichen oder juristischen Person eingeleiteten Verfahren ergeben, die auf folgende Sachverhalte zurückgehen oder damit im Zusammenhang stehen: (a) eine tatsächliche oder behauptete Verletzung der Zusicherungen, Garantien oder Pflichten des Ausscheidenden Verkäufers gemäß den Verträgen, einschließlich der Verletzung einer Richtlinie von ASE, APE bzw. APUK; (b) eine tatsächliche oder behauptete Verletzung oder missbräuchliche Verwendung von Rechten Dritter oder anwendbarem Recht durch Marken des Ausscheidenden Verkäufers, die im Zusammenhang mit den von ASE, APE bzw. APUK angebotenen Diensten bzw. deren Nutzung über die Website oder Applikation des Ausscheidenden Verkäufers verwendet werden; (c) die Nutzung der von ASE, APE bzw. APUK angebotenen Dienste durch den Ausscheidenden Verkäufer; oder (d) eine vom Ausscheidenden Verkäufer über die von APE bzw. APUK bereitgestellten Dienste vorgenommene Transaktion.

2.2 Der Ausscheidende Verkäufer stellt ASE, APE, APUK und ihre jeweiligen verbundenen Unternehmen von allen künftigen Pflichten aus den Verträgen frei. Ferner stellt der Ausscheidende Verkäufer ASE, APE, APUK und ihre jeweiligen verbundenen Unternehmen jeweils einzeln von allen Ansprüchen, Pflichten, Forderungen, Klageansprüchen, Rechtsstreitigkeiten, Schäden, Verlusten, Verbindlichkeiten oder Rechten jeder Art (unabhängig davon, ob diese bekannt oder unbekannt sind, erwartet oder unerwartet sind, uneingeschränkt sind oder nicht, beziffert oder unbeziffert sind), die der Ausscheidende Verkäufer am oder vor dem Datum des Inkrafttretens gegenüber ASE, APE, APUK und ihren jeweiligen verbundenen Unternehmen aus oder im Zusammenhang mit den Verträgen, einer tatsächlichen oder behaupteten Verletzung der Verträge oder einem Geschäft, einer Vereinbarung, einem Ereignis oder einem Versäumnis aus oder im Zusammenhang mit den Verträgen hat oder über die der Ausscheidende Verkäufer verfügt, frei und verzichtet hierauf. Der Ausscheidende Verkäufer stellt ASE, APE, APUK und ihre verbundenen Unternehmen jeweils einzeln von allen Verbindlichkeiten und Kosten frei, die ihnen gegebenenfalls im Zusammenhang mit den Verträgen oder diesem Übertragungsvertrag entstanden sind.

2.3 Es wird hiermit klargestellt, dass keine Bestimmung dieses Übertragungsvertrags etwaige Ansprüche oder Forderungen von ASE, APE, APUK oder ihren verbundenen Unternehmen gegenüber dem Ausscheidenden Verkäufer aus oder im Zusammenhang mit den Verträgen berührt.

3. Zusicherungen und Garantien

Der Ausscheidende Verkäufer und der Beitretende Verkäufer sichern hiermit zu und garantieren gesamtschuldnerisch, dass

  • der Ausscheidende Verkäufer am oder vor dem Datum des Inkrafttretens entweder sein „Verkaufen bei Amazon“-Geschäft im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf den Beitretenden Verkäufer übertragen hat oder den Beitretenden Verkäufer in Bezug auf vom Ausscheidenden Verkäufer vor dem Datum des Inkrafttretens auf amazon.co.uk, amazon.de, amazon.fr, amazon.it und amazon.es verkaufte Waren oder Dienstleistungen als Gesamtschuldner gegenüber Kunden haftbar gemacht hat; und
  • der Ausscheidende Verkäufer vor dem Datum des Inkrafttretens keine medizinischen oder gesundheitsbezogenen Waren (z. B. Arzneimittel) auf amazon.co.uk, amazon.de, amazon.fr, amazon.it und amazon.es verkauft hat.

4. Sonstige Bestimmungen

4.1. Anwendbares Recht; Gerichtsstand. Dieser Übertragungsvertrag und sämtliche Bestimmungen in Bezug auf die Übertragung des BSV bzw. des APE-Vertrags unterliegen dem Recht des Großherzogtums Luxemburg unter Ausschluss des Kollisionsrechts. Jegliche Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Übertragung des BSV bzw. des APE-Vertrags gemäß diesem Übertragungsvertrag oder Ihrer Nutzung der von APE oder ASE bereitgestellten Dienste fallen in die ausschließliche Zuständigkeit der Gerichte des Bezirks Luxemburg Stadt, Luxemburg. Dieser Übertragungsvertrag und sämtliche Bestimmungen in Bezug auf die Übertragung des APUK-Vertrags unterliegen dem Recht von England und Wales unter Ausschluss des Kollisionsrechts. Jegliche Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Übertragung des APUK-Vertrags gemäß diesem Übertragungsvertrag oder Ihrer Nutzung der von APUK bereitgestellten Dienste fallen in die ausschließliche Zuständigkeit der Gerichte von London, England.

4.2. Haftungsbeschränkung. Die Bestimmungen des BSV, des APE-Vertrags und des APUK-Vertrags unter der Überschrift „Haftungsbeschränkung“ gelten entsprechend für die Beschränkung der Haftung von ASE, APE bzw. APUK gemäß diesem Übertragungsvertrag.

Verkauf eines E-Commerce Business – Warum eine steuerliche Prüfung sinnvoll ist

VERKAUF EINES E-COMMERCE BUSINESS – WARUM EINE STEUERLICHE PRÜFUNG SINNVOLL IST

Der Kauf oder Verkauf eines Betriebs stellt für den Unternehmer immer ein besonderes Ereignis dar. Gerade der Kauf und die Veräußerung einer Firma bergen sowohl Chancen als auch Risiken, welche bei langfristiger Planung und gewissenhafter Beratung zum eigenen Vorteil genutzt werden können. In der nachfolgenden Diskussion der unterschiedlichen Varianten der Unternehmensübertragung soll der Blick insbesondere auf Amazon-Händler gelegt werden, für die der Hauptwert des Unternehmens in der eigenen Marke besteht.

Zunächst sollen die verschiedenen Ausgangssituationen und deren steuerliche Behandlung erläutert werden. Bei der Veräußerung von Unternehmen wird grundsätzlich in drei Fallgruppen unterschieden: Verkauf eines Einzelunternehmens, Verkauf bei einer Kapitalgesellschaft und Verkauf der Tochtergesellschaft einer Holding. Im Anschluss wird geklärt, wie der Wechsel zu einer günstigeren Besteuerungsform möglich ist, es wird die Käufersicht kurz angerissen und ein Ausblick auf das internationale Steuerrecht gegeben.

1. Verkauf eines Einzelunternehmens

Im ersten Fall handelt es sich bei dem Unternehmen, welches verkauft werden soll, um ein Einzelunternehmen. Dies hat zur Folge, dass ein Gewerbebetrieb veräußert wird und die daraus resultierenden Gewinne beim Veräußerer in die Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 16 EStG einzuordnen sind.

Hohe Steuerbelastung bei der Veräußerung eines Einzelunternehmens

Diese Einkünfte sind grundsätzlich voll steuerpflichtig, allerdings kann unter Umständen ein Freibetrag abgezogen werden, beispielsweise ab einem Alter von 55 Jahren. Diese Einkünfte unterliegen dem persönlichen Einkommenssteuersatz, welcher bei bis zu 45 % liegen kann. Der zu versteuernde Gewinn ermittelt sich aus der Differenz des Verkaufspreises und des bilanziellen Eigenkapitals des Unternehmens abzüglich etwaiger Veräußerungsnebenkosten, falls der Verkäufer diese trägt.

Wechsel zur Bilanz kann erforderlich sein

Bei der Berechnung der Einkünfte ist zu beachten, dass eine Überleitungsrechnung aufzustellen ist, wenn der Gewinn bisher durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt wurde. Im Rahmen der Überleitungsrechnung werden u. a. sämtliche Warenbestände, Forderungen, Verbindlichkeiten und Rückstellungen aktiviert bzw. passiviert. Ein etwaiger Überleitungsgewinn- oder Verlust unterliegt der laufenden Besteuerung (d. h. auch Gewerbesteuer). Insbesondere durch vorher nicht aktivierte Warenbestände können hierbei schnell hohe Summen zusammenkommen, sodass dies bei der Preisfindung einkalkuliert werden sollte.

Steueroptimierungen sind möglich und sollten geprüft werden

Eine Möglichkeit, wie es eventuell zu einer temporären Steuerminderung kommen kann, wäre die Zuflussbesteuerung, bei der der Verkaufspreis über mehrere Jahre gezahlt wird.

Eine weitere Option liegt in der Kirchensteuer. Dabei kann es sich lohnen, im Jahr der gepalten Veräußerung hohe Kirchensteuervorauszahlungen an das Finanzamt zu zahlen, da in diesem Zuge die Kirchensteuer als Sonderbetriebsausgabe geltend gemacht werden kann. Allerdings muss insgesamt gesagt werden, dass der Verkauf eines Einzelunternehmens die wohl unvorteilhafteste Variante darstellt, da sie mit einer enorm hohen Steuerbelastung ein- hergeht. Von Vorteil ist dies wohl nur dann, wenn entweder der Steuersatz niedrig ist oder mit dem Verkauf ein Verlust realisiert wird.

Vorteile für den Käufer des Unternehmens

Für den Käufer eines Online-Handelsunternehmens können sich im Gegenzug auch erhebliche steuerliche Vorteile ergeben, wenn der Online-Shop von einem Einzelunternehmer gekauft wird. Der steuerliche Vorteil liegt darin, dass der Kaufpreis vom neuen Betriebsinhaber zukünftig abgeschrieben und in bestimmten Fällen auch sofort steuerlich geltend gemacht werden kann. Hierdurch ergibt sich auf Ebene des Betriebserwerbers ein unmittelbarer steuerlicher Vorteil im Jahr des Betriebsübergangs.

Auch wenn der Kaufpreis abgeschrieben werden muss, wird der Kaufpreis in der Regel über einen Zeitraum von 3 bis 15 Jahren steuermindernd berücksichtigt. Hierdurch spart der Käufer – abhängig von seinem individuellen Steuersatz – bis zu 45% Einkommens- und Gewerbe- steuer.

Die genaue Höhe der zukünftigen Steuerersparnis sollte genau ermittelt werden, denn nur so kann abgeschätzt werden ob die Höhe des Kaufpreises gerechtfertigt ist.

2. Verkauf einer Kapitalgesellschaft

2.1. Verkauf der Marke einer Kapitalgesellschaft

Eine Konstellation, welche sich in Verbindung mit einer Kapitalgesellschaft (z. B. GmbH) ergibt, ist der Verkauf der Marke an sich (Asset Deal). In diesem Fall wird nicht der gesamte Betrieb der Kapitalgesellschaft übertragen, sondern nur ein bestimmter Teil, wie eben zum Beispiel die Marke.

Dabei entsteht der Gewinn auf Ebene der Kapitalgesellschaft. Dieser Gewinn fällt sowohl unter die Körperschaftsteuer als auch unter die Gewerbesteuer, welche summiert eine Steuerlast von zirka 30 % auf den Veräußerungsgewinn ergibt. Das Kapital, welches aus der Veräußerung der Marke entsteht, kann genutzt werden, um innerhalb der Kapitalgesellschaft damit zu arbeiten, Investitionen zu tätigen oder neue Geschäfte aufzubauen. Ebenso kann der Gewinn an die Privatperson ausgeschüttet werden, was allerdings zur Folge hat, dass die Ausschüttung mit mindestens 25 % Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag besteuert wird.

Im Ergebnis führt dies bei einer Thesaurierung des Veräußerungsgewinns auf Gesellschafts- ebene zu einer geringeren Steuerbelastung des Gewinns von bis zu 15 %. Erst bei Ausschüttung des Gewinns ist das steuerliche Ergebnis ähnlich wie beim Verkauf des Einzelunternehmens.

Steuerliche Vorteile für den Verkäufer der Marke

Für den Veräußerer in der Form der Kapitalgesellschaft ergibt sich in diesem Fall ein Steuervorteil gegenüber der Veräußerung eines Einzelunternehmens. Denn die Steuerbelastung beträgt „nur“ rund 30 %; wohingegen sich eine Steuerbelastung als Einzelunternehmen von bis zu 45 % ergeben kann. Diese Variante ist aber nur dann zu empfehlen, wenn der Veräußerungsgewinn nicht direkt an den Unternehmer ausgeschüttet, sondern mit dem Veräußerungsgewinn auf Ebene der Kapitalgesellschaft weitergearbeitet werden soll.

Keine Nachteile für den Erwerber der Marke

In diesem Fall ergeben sich keine besonderen, steuerlichen Nachteile für den Erwerber, denn der Kaufpreis für die Marke oder sonstigen Bestandteile des Online-Shops kann ebenso wie beim Erwerb von einem Einzelunternehmer steuerlich geltend gemacht werden.

2.2. Verkauf einer Kapitalgesellschaft an sich

Ein weiteres Szenario, welches steuerrechtlich differenziert betrachtet werden muss, ist der Verkauf einer Kapitalgesellschaft im Ganzen (Share Deal).

Dies hat zur Folge, dass die Privatperson einen Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an der Kapitalgesellschaft hat und grundsätzlich ebenfalls in die Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 17 EStG einzuordnen sind.

Gewinn aus der Veräußerung der Anteile an der Kapitalgesellschaft wird nur teilweise versteuert

Diese Einkünfte unterliegen zwar auch der Einkommensteuer in Höhe des persönlichen Steuersatzes, allerdings kann in dieser Fallgruppe das Teileinkünfteverfahren angewandt werden, was zur Folge hat, dass der Veräußerungsgewinn zu 40 % steuerfrei ist und die Anschaffungskosten der Anteile zu 40 % nicht abziehbar sind. Im Saldo ergibt dies, dass nur 60 % der Gewinne aus der Veräußerung zu versteuern sind. Im Ergebnis ergibt sich bei dieser Variante also eine geringere Steuerbelastung von bis zu 18 % auf den Gewinn.

Steuerliche Nachteile für den Erwerber der Anteile

Auch wenn diese Variante für den Veräußerer erhebliche, steuerliche Vorteile bietet, ergeben sich für den Veräußerer steuerliche Nachteile. Denn der zu bezahlende Kaufpreis kann nicht sofort steuerlich geltend gemacht werden, sondern im Regelfall nur bei Weiterveräußerung oder Liquidation der erworbenen Kapitalgesellschaft. Der Erwerber einer Kapitalgesellschaft sollte den erheblichen Nachteil gegenüber des Erwerbs eines Einzelunternehmens unbedingt bedenken und bei seiner Kalkulation berücksichtigen.

Besonders problematisch kann sich dieser Fall auswirken, wenn der Kaufpreis über ein Kreditinstitut finanziert wird. Denn auch die an die Bank zu leistende Kredittilgung kann nicht steuerlich geltend gemacht werden. Eine genaue Berechnung der Steuerbelastung nach dem Erwerb der Anteile ist deshalb unbedingt angebracht.

3. Verkauf der Tochtergesellschaft einer Holding

Nahezu steuerfreie Veräußerung möglich

Die wohl, aus Sicht des Verkäufers, vorteilhafteste Variante ist der Verkauf der Tochtergesellschaft einer Holding. Verkauft eine Kapitalgesellschaft Anteile einer anderen Kapitalgesellschaft, ist der resultierende Gewinn zu 95 % steuerfrei. Dies bedeutet, dass etwa 5 % des Gewinnes dem Steuersatz der Kapitalgesellschaft von 30 % (Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer) unterliegen und dies am Ende eine Steuerlast auf den Veräußerungsgewinn von 1,5 % ergibt.

Bei Ausschüttungen werden hier wieder 25% Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag fällig. Jedoch ist dies auch bei einer Ausschüttung wesentlich günstiger als der Verkauf eines Einzelunternehmens.

Vergleicht man die verschiedenen Fallgruppen miteinander, kann eindeutig gesagt werden, dass der Verkauf im Zusammenhang mit einer Holding die beste Variante darstellt.

Auch hier: Steuerliche Nachteile für den Erwerber der Anteile

Der Erwerber von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft hat den steuerlichen Nachteil, dass er den Kaufpreis für die Anteile nicht planmäßig abschreiben kann und somit keinen direkten Steuervorteil hat.

Beim Unternehmenskauf oder Unternehmensverkauf ist eine steuerliche Prüfung sinnvoll

Wie sich zeigt, ist es äußerst sinnvoll, eine steuerliche Prüfung bei einem geplanten Unternehmensübergang vornehmen zu lassen.

Einerseits können sich beim Verkauf eines Einzelunternehmens für den Verkäufer gewisse Steuervorteile durch die Ausnutzung von Freibeträgen oder Steuerstundungseffekten realisieren lassen. Ebenso lohnt es sich, bei einem in der Zukunft geplanten Unternehmensverkauf über die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine Kapitalgesellschaft – oder umgekehrt – nachzudenken, um eine möglichst geringe Steuerbelastung auf den Gewinn aus der Veräußerung des Online-Handels zu erreichen,

Auch für den Erwerber eines Online-Handelsunternehmens ist es äußerst sinnvoll, eine steuerliche Prüfung vornehmen und die zukünftige Steuerbelastung errechnen zu lassen. Dies gilt insbesondere, wenn der Kaufpreis für den Erwerb des E-Commerce-Business durch eine Bank finanziert wurde.

Zumeist wird ein hoher Kaufpreis gezahlt, um das Unternehmen zu erwerben, welches erst über einen längeren Zeitraum Gewinne abwirft, die den Kaufpreis rechtfertigen. Hier sollte sichergestellt werden, dass der Kaufpreis auch steuerlich geltend gemacht werden kann. Ist dies nicht möglich, weil beispielsweise Anteile an einer Kapitalgesellschaft erworben werden, sollte dies bei der Kaufpreisfindung berücksichtigt werden.

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Über den Autor

Martin Meißner startete seine Laufbahn innerhalb der Finanzverwaltung, um von dort zu einer der größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften zu wechseln. Dort lag der Schwerpunkt bei der Beratung von großen mittelständischen Unternehmen und internationalen Konzernen. Seit einiger Zeit verstärkt Martin Meißner das Team von steuerberaten.de, einer der innovativsten Steuerberatungsgesellschaften des Landes. Wir beraten Onlinehändler bei allen Fragen des nationalen und internationalen Steuerrechts und helfen ihnen dabei, ihren steuerlichen Pflichten so effizient wie möglich nachzukommen.