Zuschüsse und Darlehen: Wie komme ich als Gründer an staatliche Fördermittel?

Wer sich selbstständig machen möchte, braucht in der Regel auch Kapital. Manchmal genügt das Gesparte, doch nicht alle Gründungen lassen sich aus der Portokasse finanzieren.

Wer etwa ein Amazon-basiertes Unternehmen auf DragonFlip möchte, einen eigenen Online-Shop aufbauen oder gleich mit Mitarbeitern starten will, muss schon deutlich mehr investieren. Woher soll das Kapital dann kommen?

Im letzten Jahr haben etwa 84 Prozent der Startups auf eigene Ersparnisse gesetzt, sich also mittels sogenanntem Bootstrapping finanziert. als zweitwichtigste Finanzierungsquelle dienten staatliche Fördermittel, die von 35,5 Prozent der Gründer genutzt wurden. Für größere Vorhaben gibt’s dann noch die Business Angels und schließlich Venture Capital-Anbieter. Das Crowdfunding (also das Sammeln von Geld über eine Online-Community) spielt noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Also: Eigene Rücklagen, der Privatkredit von der Oma – wenn alles nicht reicht: Es gibt attraktive Fördermittel für Gründer. Man muss nur wissen, welche Quellen man in dem unüberschaubaren Fördermittel-Dschungel anzapfen kann. Wer Zeit und Lust hat, kann auf der Plattform Gründerberater.de stöbern. Eine eigens entwickelte Suchmaschine zeigt mit wenigen Klicks passende Fördermittel auf. Das Tool bietet – völlig kostenlos – einen sofortigen Überblick der eigenen Förderchancen.

Staatliche Fördermittel haben den großen Vorteil: Oft genug handelt es sich um geschenktes Geld, man muss keine Anteile am eigenen Unternehmen abgeben, bleibt Chef im eigenen Haus.

Beratungsförderung als erster Schritt

Welche Arten von Fördermittel gibt es? Der Gründer kann Darlehen, Zuschüsse, Beteiligungen, Bürgschaften oder Garantien oder Beratungsförderung erhalten. Mit letzterer kann man einen Coach (mit)-finanzieren, der einem dabei hilft, einen Businessplan zu erstellen – unbedingte Voraussetzung, um staatliche Fördermittel (beispielsweise einen KfW-Gründerkredit) zu erhalten. Dieser sollte eine valide Finanzplanung (über die nächsten drei Jahre) enthalten und sehr individuell auf das eigenen Unternehmen zugeschnitten sein. Die im Internet angebotenen „fertigen“ Businesspläne für 19,90 Euro halten einer ernsthaften Überprüfung durch die Banken und andere Kapitalgeber selten stand. Ein guter Gründungsberater (dessen Beratungshonorar teilweise gefördert wird, z. B. durch das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ oder das in manchen Bundesländern angebotene Vorgründungscoaching) kennt die Sichtweise der Banksachbearbeiter und weiß, worauf es im Businessplan ankommt.

Was kann – neben einer Beratung – überhaupt gefördert werden? Sowohl Investitionen (wie etwa die Anschaffung eines (Liefer)-Fahrzeugs oder eine oder EDV-Anlage als auch Betriebsmittel (laufende Kosten wie Verbrauchsmaterial, Miete und Personalkosten) können gefördert finanziert werden.

Ein wichtiger Fördergrundsatz: Ein Antrag auf Förderung muss in der Regel vor dem Beginn eines Projektes gestellt werden, läuft ein Projekt schon oder ist sogar bereits Geld geflossen, kommt eine Förderung nicht mehr in Betracht.

Gründungszuschuss

Bei Zuschüssen handelt es sich um nicht rückzahlbare Zuwendung ohne Gegenleistung. Der bekannteste für Gründer ist der Gründungszuschuss, der speziell für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit vorgesehen ist. Ein ähnlicher Zuschuss ist die EXIST-Förderung, die sich an Wissenschaftler nach ihrem Studium richtet.

Gründungszuschuss beantragt man über die Agentur für Arbeit. Für die Beantragung ist auch hier ein Businessplan erforderlich, die Tragfähigkeit des Vorhabens muss nachgewiesen werden. Der Gründungszuschuss selbst ist dann eine Fortführung des Arbeitslosengeldes – mit einem Aufschlag für die Sozialversicherung, die man dann nämlich selbst voll tragen muss. Der Gründungszuschuss wird für sechs Monate gewährt – danach muss die Selbstständigkeit bereits so tragfähig sein, dass der Lebensunterhalt selbst bestritten werden kann.

Startgeld vom Staat

Weil der Gründungszuschuss lediglich der Sicherung des Lebensunterhalts dient, ist oft noch zusätzliches Geld für die wichtigsten Ausgaben (Ausrüstung, Miete, Marketing etc.) erforderlich. Hier kann ein Förderdarlehen weiterhelfen. Dabei handelt es sich um einen zinsvergünstigten Kredit, der nach Ablauf der definierten Laufzeit vom Gründer zurückgezahlt werden muss. Dabei spielen ERP-Förderkredite eine herausragende Rolle, diese stammen aus dem vom Bund verwalteten Sondervermögen, dem European Recovery Program, und werden von der KfW verwaltet. Beantragt werden diese Kredite allerdings über die Hausbank, die auch die Vorprüfung übernimmt. Für kleinere Gründungen reicht meist der ERP-Gründerkredit – Startgeld, bei dem man eine Summe von bis zu 100.000 Euro erhalten kann (darin enthalten höchstens 30.000 Euro für Betriebsmittel). Für Klein- und Kleinstunternehmen stehen aber auch sogenannte Mikrokredite mit Darlehnsbeträgen zwischen 1.000 und 20.000 Euro zur Verfügung.

Auch für Förderkredite gilt: Sie müssen in aller Regel vor Beginn der (selbstständigen) Tätigkeit gestellt werden. Beantragt werden sie über Banken und Sparkassen, neben einem aussagefähigen Businessplan (mit Finanzplanung) ist eine gute Bonität (Schufa) Voraussetzung. Viele Banken achten außerdem darauf, dass die Gründerpersönlichkeit von seiner Ausbildung und seinen Erfahrungen her zum neu zu gründenden Unternehmen passt. Quereinsteiger haben es hier doppelt schwer.

Gründerdarlehen können übrigens auch für eine nebenberufliche Selbstständigkeit herangezogen werden. In einigen Fällen wird jedoch erwartet, dass das Vorhaben – zumindest langfristig – auf einen Vollerwerb ausgerichtet ist.

Walther Bruckschen
LEVEL5 Beratung

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