Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Gründer, die mit ihrer Idee scheitern, kommen mit einem blauen Auge davon: Nur 15 Prozent aller Schließungen junger Unternehmen müssen einen Insolvenzantrag stellen. Das besagt eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, die bereits vor einigen Jahren vorgestellt wurde. Aber an der grundsätzlichen Problematik hat sich seitdem nichts verändert: Die größten Probleme haben Unternehmen, die noch keine fünf Jahre am Markt sind. Wer es über diese erste Hürde geschafft hat, wird mit großer Sicherheit auch die nächsten Jahre erfolgreich sein.

Doch welche Steine sind es, die ein Gründer in dieser ersten Zeit aus dem Weg räumen muss, oder anders gesagt: Welche Ursachen sind es, die Gründer scheitern lassen?

10 Gründe fürs Scheitern – ziehen Sie die richtigen Schlüsse für Ihr Unternehmen:

Lesen, schreiben – rechnen!

Gerade kreative Gründer stehen mit der Betriebswirtschaft auf Kriegsfuß. Dabei sind mangelnde BWL-Kenntnisse sehr oft der Grund, warum Jung-Unternehmer in die Pleite steuern. Betriebswirtschaftliches Know-how ist eine wichtige Grundlage, um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen und zu steuern.

Tipp: Erwerben und vertiefen Sie Betriebswirtschaftliche (Grund)-Kenntnisse über entsprechende Workshops, finden Sie Mitstreiter mit der geeigneten Management-Kompetenz und bringen Sie mit ihnen gemeinsam das Unternehmen voran.

Auf dem Boden bleiben!

Wer seine Kosten nicht im Griff hat, hat ein Problem. Verschärft wird dieses noch durch Größenwahn in der Anfangszeit: Da wird statt eines Schreibtisches in einer Bürogemeinschaft gleich die ganze Etage im schicken Loft gemietet – samt Sekretärin und Luxusmöbeln. Oder das Marktpotenzial wird überschätzt, neue Aufträge lassen sich nur mühsam akquirieren, das Geld sprudelt nicht so wie erwartet.

Tipp: Erstellen Sie einen realistischen Business-Plan (ja, der ist auch für journalistische Berufe unerlässlich!) mit regelmäßiger Kontrolle von Soll und Ist. Er hilft Ihnen dabei, die Realität nicht aus dem Blick zu verlieren.

Work-Life-Balance

Wer sich ohne Rückhalt in seiner Familie selbstständig macht, hat es schwer. Denn ein neues Unternehmen braucht – gerade in der Anfangszeit – die volle Aufmerksamkeit des Gründers. Eine 60-Stunden-Woche ist da keine Seltenheit, und es gibt keine Gewerkschaft, die für einen kämpft.

Tipp: Die Entscheidung für ein eigenes Unternehmen und wichtige Weichenstellungen während der Selbstständigkeit sollten Sie mit Familie und Freunden abstimmen. Wenn Sie einen Partner oder eine Partnerin hinter sich wissen, können Sie ruhigen Gewissens auch Ihre Firma voranbringen.

Kenne deinen Markt!

 

In vielen Berufen, auch im Dienstleistungs- und Handelsbereich, ist eine genaue Marktanalyse sehr wichtig. Man sollte seine Branche, seine möglichen Konkurrenten, seine Kunden und die Trends kennen. Sonst wird der Gründer schnell von der Konkurrenz abgehängt. Plötzlich bleiben die Kunden aus und damit der Umsatz.

Tipp: Vor der Gründung sollten Sie eine genaue Marktanalyse durchführen. Idealerweise umfasst diese eine Kundenbefragung und eine Konkurrenzanalyse. Aber auch im weiteren Verlauf sollten Sie die Konkurrenz beobachten und neue Trends im Auge behalten.

Was will mein Kunde?

Unternehmen scheitern, weil sie ihre Zielgruppe nicht verstanden haben. Stichwort: Kundennutzen. Gerade im kreativen Bereich muss sich der Unternehmen viel mehr von der Anbieter-Perspektive verabschieden und in die Nachfrager-Perspektive wechseln.

Tipp: Die oben genannte Kundenbefragung kann Ihnen wertvolle Hinweise auf die Bedürfnisse Ihrer Kunden liefern. Nur dann bieten Sie Ihren Kunden einen wirklichen Nutzen, wenn Sie eine Lösung für ein konkretes Problem bereitstellen.

Sei einzigartig!

Ein Produkt oder eine Dienstleistung lässt sich oft nicht vor Nachahmern schützen. Diese können es oft schnell kopieren und günstiger anbieten – der Untergang der eigenen Geschäftsidee ist programmiert.

Tipp: Verwenden Sie mehr Zeit darauf, ein Alleinstellungsmerkmal (den sogenannten USP) zu definieren. Im Online-Handel heißt das beispielsweise: Weg vom Bauchladen hin zum Spezialanbieter für ein ganz bestimmtes Thema, mit einem speziellen Lieferservice oder für eine genau definierte Region.

Geld in der Kasse

Viele Neugründungen scheitern an der fehlenden Liquidität. Es kann durchaus sein, dass zwar die Menge und das Volumen der Aufträge stimmen – aber die Zahlungsmoral der Kunden zu wünschen übrig lässt. Schon manch Unternehmer musste schließen, weil viele Endkunden (zu) spät zahlen.

Tipp: Ein Finanzplan ist ein absolutes Muss für jeden Jung-Unternehmer! Darin planen Sie Ihre Investitionen und Kredite. So können Sie drohende Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen und eine Pleite verhindern

Ordnung ist das halbe Unternehmen

Kreatives Chaos – das mag manchen Journalisten beflügeln. Einem Unternehmen bringt es oft den Ruin. Ordnung ist keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Insbesondere in der Buchhaltung!

Tipp: Zumindest, was die Belege und Buchungen betrifft, sollten Sie den Überblick behalten (und seien es die berühmten Schuhkartons, in denen Sie Ihre Belege sammeln). Nur wenn Sie wissen, welche wirtschaftlichen Aktivitäten anstehen, können Sie auch professionell wirtschaften – und bei der nächsten Steuerprüfung ohne schlechtes Gewissen bestehen.

Walther Bruckschen
LEVEL5 Beratung

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