Einen Onlineshop übernehmen ist eine attraktive Alternative zur Neugründung. Statt bei null zu beginnen, übernehmen Sie ein etabliertes Geschäft mit Kunden, Umsatz und erprobten Prozessen. Doch welche Shops sind kaufenswert? Worauf müssen Sie bei der Due Diligence achten? Und wie vermeiden Sie teure Fehler?
In diesem Guide erfahren Sie alles, was Sie als Käufer wissen müssen – von der Shop-Suche über die Bewertung bis zur erfolgreichen Übernahme.
Definition: Onlineshop übernehmen
Onlineshop übernehmen bedeutet den Kauf eines bestehenden E-Commerce-Geschäfts inklusive aller Assets wie Domain, Kundenstamm, Lagerbestand, Lieferantenbeziehungen und Markenrechte. Die Übernahme kann als Asset Deal (einzelne Vermögenswerte) oder Share Deal (Unternehmensanteile) strukturiert werden.
Warum einen Onlineshop übernehmen statt gründen?
Die Übernahme eines bestehenden Shops bietet gegenüber der Neugründung erhebliche Vorteile – aber auch spezifische Herausforderungen.
Vorteile der Übernahme
- Sofortiger Cashflow ab Tag 1
- Bestehender Kundenstamm
- Erprobtes Geschäftsmodell
- Etablierte Lieferantenbeziehungen
- SEO-Rankings bereits aufgebaut
- Kürzere Time-to-Market
Herausforderungen
- Höherer Kapitalbedarf
- Versteckte Altlasten möglich
- Abhängigkeit vom Vorbesitzer
- Kulturelle Integration
- Technische Schulden
- Komplexe Due Diligence
Für wen eignet sich die Shop-Übernahme?
Ein Onlineshop-Kauf ist besonders geeignet für:
- Unternehmer mit Kapital, die schnell in den E-Commerce einsteigen möchten
- Erfahrene E-Commerce-Manager, die sich selbstständig machen wollen (Management Buy-In)
- Bestehende Shop-Betreiber, die durch Zukäufe wachsen möchten
- Investoren, die nach renditestarken Anlagen suchen
Tipp: Auf BuySellGrow.de finden Sie als Käufer Zugang zu Deutschlands größter Community für Unternehmenskäufe im Digitalbereich.
Den richtigen Onlineshop finden
Die Suche nach dem passenden Shop erfordert Geduld und ein klares Suchprofil. Definieren Sie vorab:
- Budget: Wie viel können Sie investieren (Kaufpreis + Working Capital)?
- Branche: Haben Sie Expertise oder Interesse in bestimmten Bereichen?
- Größe: Welcher Umsatz/Gewinn passt zu Ihren Zielen?
- Geschäftsmodell: D2C, Reseller, Dropshipping, Multichannel?
Quellen für Shop-Angebote
| Quelle | Typische Größe | Vorteile |
|---|---|---|
| M&A-Berater (wie Dragonflip) | Ab 800.000 EUR | Geprüfte Deals, professionelle Begleitung |
| Plattformen | Ab 300.000 EUR | Große Auswahl, Direct Deals |
| Direktansprache | Variabel | Weniger Wettbewerb, Off-Market |
Bewertung verstehen: Was ist ein Onlineshop wert?
Die Bewertung eines Onlineshops basiert typischerweise auf dem Gewinn-Multiple. Als Käufer sollten Sie verstehen, wie der Preis zustande kommt.
Bewertungsformel
Kaufpreis = EBIT (oder SDE) × Multiple
Bei inhabergeführten Shops wird oft das SDE (Seller’s Discretionary Earnings) verwendet, das auch das Inhabergehalt einbezieht. Das Multiple liegt typischerweise bei 2,5x bis 5x, abhängig von Qualitätsfaktoren.
Was beeinflusst das Multiple?
Ein höheres Multiple rechtfertigen:
- Diversifizierte Traffic-Quellen (nicht nur Paid Ads)
- Hohe Wiederkaufrate und loyaler Kundenstamm
- Starke Marke mit Trademark-Schutz
- Dokumentierte Prozesse und autonomes Team
- Wachstumstrend und skalierbares Modell
- Geringe Inhaberabhängigkeit
Ein niedrigeres Multiple deuten auf:
- Abhängigkeit von einer Traffic-Quelle
- Stagnierende oder sinkende Umsätze
- Hohe Inhaberabhängigkeit
- Technische Schulden oder veraltetes Shop-System
Shop-Wert berechnen
Mit unserem kostenlosen Rechner erhalten Sie eine erste Einschätzung.
Zum Bewertungsrechner →Due Diligence Checkliste für Käufer
Die Due Diligence ist der kritischste Teil beim Kauf eines Onlineshops. Hier decken Sie Risiken auf und validieren die Verkäuferangaben.
Due Diligence Checkliste
Eine ausführliche Anleitung zu typischen Fehlern finden Sie in unserem Artikel 5 Fehler beim Unternehmenskauf.
Typische Risiken beim Shop-Kauf erkennen
Diese Red Flags sollten Sie bei der Übernahme eines Onlineshops im Blick haben:
Traffic-Risiken
- Paid-Ads-Abhängigkeit: Über 80% des Traffics kommt von bezahlter Werbung
- Einzelne Keywords: SEO-Traffic basiert auf wenigen Rankings
- Plattform-Abhängigkeit: Hauptumsatz über einen Marktplatz (Amazon, eBay)
Finanzielle Risiken
- Geschönte Zahlen: Add-Backs nicht nachvollziehbar
- Versteckte Verbindlichkeiten: Offene Rechnungen, Steuernachzahlungen
- Saisonalität: Umsatz stark auf wenige Monate konzentriert
Operative Risiken
- Inhaberabhängigkeit: Alles läuft über den Gründer
- Lieferanten-Risiko: Ein Lieferant macht 80%+ der Produkte aus
- Kundenkonzentration: Wenige Großkunden dominieren den Umsatz
„Die beste Due Diligence ersetzt keinen erfahrenen M&A-Berater. In der Regel amortisiert sich die Beratungsgebühr durch bessere Verhandlungsergebnisse und Risikominimierung.“
Ablauf der Übernahme: Von LOI bis Closing
Der typische Ablauf beim Kauf eines Onlineshops:
Phase 1: Erstkontakt & NDA (1-2 Wochen)
Sie erhalten ein Teaser-Dokument, unterzeichnen ein NDA und bekommen Zugang zum Information Memorandum mit detaillierten Unternehmensdaten.
Phase 2: Indikatives Angebot (1-2 Wochen)
Basierend auf den ersten Informationen geben Sie ein unverbindliches Angebot ab. Bei Interesse folgt der Letter of Intent (LOI) mit Exklusivität für die Due Diligence.
Phase 3: Due Diligence (4-8 Wochen)
Tiefgehende Prüfung aller Geschäftsbereiche. Bei größeren Transaktionen mit Unterstützung von Steuerberater und Rechtsanwalt.
Phase 4: Verhandlung & Vertrag (2-4 Wochen)
Finales Preisangebot, Kaufvertragsverhandlung, Regelung von Garantien, Gewährleistungen und Übergabemodalitäten.
Phase 5: Closing & Übergabe (4-12 Wochen)
Kaufpreiszahlung, Übergabe aller Assets, Einarbeitung durch den Verkäufer, Migration von Systemen und Verträgen.
Finanzierungsoptionen für den Shop-Kauf
Den Kaufpreis müssen Sie nicht komplett aus Eigenkapital finanzieren. Diese Optionen stehen zur Verfügung:
| Finanzierung | Typisch für | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Eigenkapital | Kleine Deals | Verfügbares Kapital |
| Verkäuferdarlehen | Alle Größen | Vertrauen des Verkäufers |
| Bankkredit + Bürgschaftsbank | Ab 100.000€ | Businessplan, Sicherheiten |
| Earn-Out | Alle Größen | Erfolgsabhängige Komponente |
| Investoren / Family Office | Ab 500.000€ | Attraktives Investment-Case |
Praxis-Tipp: Eine Kombination aus 30-50% Eigenkapital, 20-30% Verkäuferdarlehen und 30-40% Bankfinanzierung ist eine typische Struktur. Mehr dazu in unserem Artikel über Search Funds.
Weiterführende Artikel
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren spezialisierten Guides:
- Onlineshop verkaufen – Die Verkäufer-Perspektive verstehen
- Unternehmen kaufen – Allgemeiner Guide für Käufer
- 5 Fehler beim Unternehmenskauf – Und wie Sie sie vermeiden
- Käufergruppen verstehen – Wer zahlt die höchsten Preise?
Dragonflip Team
Das Dragonflip Team berät seit 2017 Käufer und Verkäufer bei E-Commerce-Transaktionen. Mit über 80 erfolgreich abgeschlossenen Deals gehört Dragonflip zu den führenden M&A-Beratungen für Digitalunternehmen im DACH-Raum.
Sie suchen einen Onlineshop zum Kaufen?
Als M&A-Berater für E-Commerce unterstützen wir Sie bei der Suche, Bewertung und Übernahme – von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Closing.
Das könnte Sie auch interessieren
Onlineshop verkaufen
Der komplette Guide für Shop-Betreiber, die ihren E-Commerce-Shop verkaufen möchten.
EBITDA vs. Umsatz-Multiples
Verstehen Sie die verschiedenen Bewertungsmethoden für E-Commerce-Unternehmen.
5 Fehler beim Unternehmenskauf
Vermeiden Sie die häufigsten Fehler beim Kauf eines Unternehmens.
Für Käufer
Die 10 teuersten Fehler beim Unternehmensverkauf
Vermeiden Sie diese Fehler und maximieren Sie Ihren Verkaufspreis
Die 10 teuersten Fehler beim Unternehmensverkauf
Kostenloser Guide mit Lösungen

