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Indikatives Angebot

Inhaltsverzeichnis

Indikatives Angebot

Das indikative Angebot ist ein zentraler Meilenstein im M&A-Prozess. Für Verkäufer markiert es den Moment, in dem aus Interessenten konkrete Kaufkandidaten werden. Für Käufer ist es die erste Gelegenheit, eine Preisvorstellung zu kommunizieren und sich für die nächste Runde zu qualifizieren.

Doch was genau gehört in ein indikatives Angebot? Wie unterscheidet es sich vom Letter of Intent? Und welche Fehler sollten Sie vermeiden? In diesem Guide erfahren Sie alles Wichtige – aus Käufer- und Verkäuferperspektive.

Definition: Indikatives Angebot

Ein indikatives Angebot (englisch: Indicative Offer, Non-Binding Offer) ist ein unverbindliches Kaufangebot im Rahmen eines Unternehmensverkaufs. Es enthält eine erste Kaufpreisindikation sowie wesentliche Transaktionsbedingungen und wird typischerweise nach Prüfung des Information Memorandums abgegeben. Das Angebot ist rechtlich nicht bindend und steht unter dem Vorbehalt einer Due Diligence.

Was bedeutet „indikatives Angebot“?

Der Begriff „indikativ“ kommt vom lateinischen „indicare“ (anzeigen) und bedeutet so viel wie „hinweisend“ oder „vorläufig“. Ein indikatives Angebot ist also ein Angebot, das eine Richtung anzeigt – ohne bereits endgültig zu sein.

Merkmale eines indikativen Angebots

  • Unverbindlich: Keine rechtliche Bindung für den Käufer
  • Vorläufig: Basiert auf eingeschränkter Informationslage
  • Konditioniert: Steht unter Vorbehalt der Due Diligence
  • Standardisiert: Ermöglicht Vergleichbarkeit mehrerer Angebote

Wichtig: Auch wenn das indikative Angebot unverbindlich ist, sollten Käufer es ernst nehmen. Wer seine Preisindikation später deutlich nach unten korrigiert, riskiert seinen Ruf im Markt und wird bei zukünftigen Prozessen möglicherweise nicht mehr berücksichtigt.

Wann kommt das indikative Angebot im M&A-Prozess?

Das indikative Angebot ist ein früher, aber entscheidender Schritt im strukturierten Verkaufsprozess. Es kommt nach der ersten Informationsphase und vor der detaillierten Due Diligence.

1

Teaser & NDA

Potenzielle Käufer erhalten einen anonymisierten Teaser und unterzeichnen eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA).

2

Information Memorandum

Nach NDA-Unterzeichnung erhalten Interessenten das ausführliche Information Memorandum (IM) mit Finanzdaten, Geschäftsmodell und Marktanalyse.

3

Indikatives Angebot

Sie sind hier: Käufer geben basierend auf dem IM ein unverbindliches Angebot ab. Typische Frist: 2-4 Wochen nach IM-Erhalt.

4

Management-Präsentation

Ausgewählte Bieter treffen das Management-Team und können vertiefte Fragen stellen.

5

Letter of Intent (LOI)

Der präferierte Käufer erhält Exklusivität für die Due Diligence. Der LOI ist detaillierter und enthält oft bindende Elemente.

6

Due Diligence & Kaufvertrag

Detaillierte Prüfung aller Unternehmensbereiche, Vertragsverhandlung und Closing.

2-4
Wochen nach IM-Erhalt
3-8
Indikative Angebote pro Prozess
2-3
Bieter in der nächsten Runde

Was sollte ein indikatives Angebot enthalten?

Ein professionelles indikatives Angebot enthält alle Informationen, die der Verkäufer benötigt, um die Angebote zu vergleichen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Typische Inhalte eines indikativen Angebots

Kaufpreisindikation: Spanne oder Festbetrag (Enterprise Value oder Equity Value)
Bewertungsbasis: Verwendetes Multiple, EBITDA-Basis
Transaktionsstruktur: Share Deal, Asset Deal oder Mischform
Finanzierung: Nachweis über verfügbare Mittel (Equity Commitment, Finanzierungszusage)
Zeitplan: Gewünschte Timeline für DD und Closing
Due Diligence: Scope und erwartete Dauer
Annahmen: Auf welchen Informationen basiert das Angebot?
Käufervorstellung: Hintergrund, Erfahrung, strategische Absicht

Kaufpreis: Spanne oder Festbetrag?

Die meisten indikativen Angebote enthalten eine Preisspanne statt eines festen Betrags. Das ist legitim, da der Käufer zu diesem Zeitpunkt noch keine Due Diligence durchgeführt hat.

  • Enge Spanne (10-15%): Signalisiert hohes Interesse und gute Informationslage
  • Breite Spanne (20-30%): Deutet auf Unsicherheit oder viele offene Fragen hin
  • Festbetrag: Selten in dieser Phase, kann aber bei sehr klarer Informationslage vorkommen

„Ein zu niedriges indikatives Angebot führt zum Ausschluss. Ein zu hohes Angebot, das später korrigiert werden muss, beschädigt die Glaubwürdigkeit. Die Kunst liegt in der realistischen Einschätzung.“

— Severin Borch, Dragonflip GmbH

Indikatives Angebot vs. Letter of Intent (LOI)

Häufig werden das indikative Angebot und der Letter of Intent (LOI) verwechselt. Beide sind wichtige Dokumente im M&A-Prozess, unterscheiden sich aber wesentlich.

Kriterium Indikatives Angebot Letter of Intent (LOI)
Zeitpunkt Nach Information Memorandum Nach Management-Präsentation / vor DD
Bindung Vollständig unverbindlich Teilweise bindend (Exklusivität, Vertraulichkeit)
Detailgrad Grundlegende Eckdaten Detaillierte Transaktionsbedingungen
Exklusivität Keine Oft 4-8 Wochen Exklusivität
Anzahl Mehrere parallel möglich Meist nur mit einem Käufer
Preisspanne Typisch 10-20% Bandbreite Eng oder Festbetrag

Ausführliche Informationen zum gesamten Ablauf finden Sie in unserem Artikel Unternehmensverkauf: Ablauf, Verträge & Bewertung.

Tipps für Käufer: So überzeugt Ihr Angebot

Als Käufer konkurrieren Sie möglicherweise mit mehreren anderen Interessenten. So heben Sie sich positiv ab:

1. Realistische Preisindikation

Weder zu niedrig (Ausschluss) noch zu hoch (spätere Enttäuschung). Analysieren Sie vergleichbare Transaktionen und die spezifischen Werttreiber des Unternehmens.

2. Finanzierungsnachweis beifügen

Ein Equity Commitment Letter oder eine Finanzierungszusage der Bank erhöht Ihre Glaubwürdigkeit erheblich. Verkäufer bevorzugen Käufer, bei denen die Finanzierung gesichert ist.

3. Klare Transaktionsstruktur

Erklären Sie, ob Sie einen Share Deal oder Asset Deal bevorzugen und warum. Zeigen Sie, dass Sie die steuerlichen und rechtlichen Implikationen verstehen.

4. Strategischen Fit darstellen

Warum sind Sie der richtige Käufer? Welche Synergien können Sie heben? Verkäufer möchten oft wissen, dass ihr Unternehmen in guten Händen ist.

5. Professionelles Format

Ein strukturiertes, gut geschriebenes Angebot auf Firmenbriefpapier signalisiert Professionalität und Ernsthaftigkeit.

Praxis-Tipp: Stellen Sie konkrete Fragen im Angebot. Das zeigt, dass Sie das IM gründlich gelesen haben und sich ernsthaft mit dem Unternehmen beschäftigen.

Tipps für Verkäufer: Angebote richtig bewerten

Als Verkäufer müssen Sie die eingegangenen indikativen Angebote vergleichen und die besten Kandidaten für die nächste Runde auswählen.

Nicht nur auf den Preis schauen

Der höchste indizierte Preis ist nicht immer das beste Angebot. Berücksichtigen Sie:

  • Realisierungswahrscheinlichkeit: Wie sicher ist die Finanzierung?
  • Transaktionssicherheit: Hat der Käufer Erfahrung mit M&A?
  • Preisspanne: Eine enge Spanne ist mehr wert als eine breite
  • Bedingungen: Welche Vorbehalte sind formuliert?
  • Strategischer Fit: Passt der Käufer zu Ihrem Unternehmen?

Rote Flaggen erkennen

  • Unrealistisch hohe Preise ohne Substanz
  • Kein Finanzierungsnachweis
  • Viele vage Formulierungen und Vorbehalte
  • Sehr lange Due Diligence-Anforderungen
  • Fehlende Erfahrung in der Branche

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Muster: So kann ein indikatives Angebot aussehen

Hier ein vereinfachtes Beispiel für die Struktur eines indikativen Angebots:

Muster Indikatives Angebot

INDIKATIVES ANGEBOT
Projekt [Codename] | [Datum]

1. Kaufpreisindikation
Basierend auf dem Information Memorandum vom [Datum] indizieren wir einen Enterprise Value von EUR 2,8 – 3,2 Mio., entsprechend einem EBITDA-Multiple von 4,5-5,0x auf Basis des adjustierten EBITDA 2025 von EUR 640.000.

2. Transaktionsstruktur
Wir streben einen Share Deal an. Der finale Equity Value ergibt sich aus dem Enterprise Value abzüglich Net Debt zum Closing.

3. Finanzierung
Die Transaktion wird vollständig aus Eigenmitteln finanziert. Ein Equity Commitment Letter liegt bei.

4. Due Diligence
Wir erwarten eine DD-Phase von 4-6 Wochen mit Fokus auf Financial, Tax und Legal. Eine DD-Request-Liste folgt nach Bestätigung.

5. Zeitplan
Bei positivem Verlauf streben wir ein Signing innerhalb von 10 Wochen an.

6. Annahmen & Vorbehalte
Dieses Angebot basiert auf den Informationen im IM und steht unter dem Vorbehalt einer zufriedenstellenden Due Diligence sowie der finalen Kaufvertragsverhandlung.

Hinweis: Dies ist ein vereinfachtes Muster. In der Praxis sind indikative Angebote oft 3-5 Seiten lang und enthalten weitere Details zu Käuferhintergrund, strategischer Rationale und spezifischen Fragen.

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DF

Dragonflip Team

M&A-Berater für E-Commerce & Digitalunternehmen

Das Dragonflip Team begleitet seit 2017 Käufer und Verkäufer durch den gesamten M&A-Prozess. Mit über 80 erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen kennen wir beide Seiten des Verhandlungstisches.

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FAQ

Was ist ein indikatives Angebot?
Ein indikatives Angebot (Indicative Offer) ist ein unverbindliches Kaufangebot im M&A-Prozess. Es enthält eine erste Preisindikation, zentrale Transaktionsbedingungen und basiert auf den Informationen aus dem Information Memorandum. Das Angebot ist rechtlich nicht bindend und dient als Grundlage für die Käuferauswahl.
Was ist der Unterschied zwischen indikativem Angebot und LOI?
Das indikative Angebot kommt vor dem LOI und ist vollständig unverbindlich. Der Letter of Intent (LOI) folgt nach der ersten Due Diligence-Phase, ist detaillierter und enthält oft bindende Elemente wie Exklusivitätsvereinbarungen und Vertraulichkeitsklauseln.
Wann gibt man ein indikatives Angebot ab?
Ein indikatives Angebot wird typischerweise 2-4 Wochen nach Erhalt des Information Memorandums abgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hat der Käufer die Basisinformationen geprüft, aber noch keine detaillierte Due Diligence durchgeführt.
Was sollte ein indikatives Angebot enthalten?
Ein vollständiges indikatives Angebot enthält: Kaufpreisindikation (Spanne oder Festbetrag), Transaktionsstruktur (Asset Deal/Share Deal), Finanzierungsnachweis, Zeitplan, Due Diligence-Anforderungen, wesentliche Annahmen und Bedingungen sowie Informationen zum Käufer.
Ist ein indikatives Angebot rechtlich bindend?
Nein, ein indikatives Angebot ist grundsätzlich nicht rechtlich bindend. Es stellt eine Absichtserklärung dar, die unter dem Vorbehalt der Due Diligence und weiterer Verhandlungen steht. Erst der notariell beurkundete Kaufvertrag ist verbindlich.
Wie formuliert man die Preisspanne im indikativen Angebot?
Die Preisspanne sollte realistisch sein (typisch 10-20% Bandbreite) und klar die Annahmen benennen. Beispiel: „Basierend auf den Informationen im IM indizieren wir einen Enterprise Value von 2,8-3,2 Mio. EUR, vorbehaltlich der Bestätigung in der Due Diligence.“
Was passiert nach dem indikativen Angebot?
Nach Prüfung der indikativen Angebote wählt der Verkäufer einen oder mehrere Käufer für die nächste Phase aus. Es folgen Management-Präsentationen, der Letter of Intent (LOI) mit Exklusivität, die detaillierte Due Diligence und schließlich die Kaufvertragsverhandlung.

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