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Indikatives Angebot
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Definition

Ein indikatives Angebot (englisch: Indicative Offer, auch: Non-Binding Offer) ist ein unverbindliches erstes Kaufangebot, das ein potenzieller Käufer während der frühen Phase eines M&A-Prozesses abgibt. Es basiert auf vorläufigen Informationen wie dem Information Memorandum und dient der Sondierung des Kaufinteresses.

Das indikative Angebot ist im strukturierten Verkaufsprozess ein wichtiger Meilenstein. Es ermöglicht dem Verkäufer, das Interesse verschiedener Käufer zu vergleichen und eine Vorauswahl für die nächste Phase zu treffen – ohne dass bereits verbindliche Verpflichtungen entstehen.

Das indikative Angebot im M&A-Prozess: Einordnung

Das indikative Angebot steht zeitlich zwischen der ersten Kontaktaufnahme und der detaillierten Due Diligence. Im typischen M&A-Ablauf sieht das so aus:

Phase Dokument / Aktion Verbindlichkeit
1. Erstkontakt Teaser, NDA-Unterzeichnung Keine
2. Informationsphase Information Memorandum Keine
3. Indikatives Angebot Indicative Offer / IOI Unverbindlich
4. Due Diligence Prüfung, Management Meetings Keine
5. Bindendes Angebot Binding Offer / LOI Verbindlich
6. Vertragsverhandlung SPA (Kaufvertrag) Verbindlich
7. Closing Vollzug, Kaufpreiszahlung Final

Das indikative Angebot wird typischerweise 2-4 Wochen nach Erhalt des Information Memorandums abgegeben. Es ist die Grundlage für die Entscheidung, welche Käufer zur Due Diligence zugelassen werden.

Was enthält ein indikatives Angebot?

Ein professionelles indikatives Angebot enthält alle wesentlichen Informationen, die der Verkäufer für eine Bewertung des Kaufinteresses benötigt:

Pflichtbestandteile

  • Kaufpreis oder Bewertungsspanne: In der Regel als Enterprise Value angegeben, oft mit einer Bandbreite (z.B. „6,0 – 7,0 Mio. € EV“). Der finale Preis wird nach Due Diligence konkretisiert.
  • Transaktionsstruktur: Share Deal oder Asset Deal, ggf. mit Begründung für die bevorzugte Struktur.
  • Finanzierung: Wie wird der Kaufpreis finanziert? Eigenkapital, Bankfinanzierung, oder Kombination. Bei Private-Equity-Investoren: Bestätigung der verfügbaren Mittel.
  • Zeitplan: Geplante Dauer der Due Diligence und angestrebtes Closing-Datum.
  • Wesentliche Bedingungen: Vorbehalte wie erfolgreiche Due Diligence, Finanzierungszusage oder behördliche Genehmigungen.

Optionale Bestandteile

  • Exklusivitätswunsch: Manche Käufer bitten um eine Exklusivitätsphase für die Due Diligence.
  • Vorstellung des Käufers: Hintergrund, Strategie und Erfahrung bei vergleichbaren Transaktionen.
  • Integrationspläne: Wie soll das Unternehmen nach dem Kauf weiterentwickelt werden?
  • Rolle des Managements: Erwartungen an die Weiterbeschäftigung der Geschäftsführung.
  • Earn-Out-Komponenten: Falls ein Teil des Kaufpreises variabel gestaltet werden soll.

Indikatives Angebot vs. Bindendes Angebot: Der Unterschied

Der wesentliche Unterschied zwischen indikativem und bindendem Angebot liegt in der rechtlichen Verbindlichkeit und dem Informationsstand:

Kriterium Indikatives Angebot Bindendes Angebot
Verbindlichkeit Unverbindlich Rechtlich bindend
Zeitpunkt Vor Due Diligence Nach Due Diligence
Informationsbasis Information Memorandum Vollständige DD-Ergebnisse
Kaufpreis Spanne (z.B. 5-6 Mio. €) Konkreter Betrag
Rücktrittsrecht Jederzeit ohne Begründung Nur bei Vertragsverletzung
Englische Bezeichnung Indicative Offer, IOI, NBL Binding Offer, LOI, Term Sheet

Wichtig: Unverbindlich bedeutet nicht unernst

Obwohl das indikative Angebot rechtlich unverbindlich ist, sollte der genannte Kaufpreis realistisch sein. Käufer, die in der Indikation einen hohen Preis nennen und später deutlich nachverhandeln, verlieren Glaubwürdigkeit. Seriöse Käufer geben eine fundierte Einschätzung ab, die sie nach der Due Diligence auch halten können.

Wozu dient ein indikatives Angebot?

Das indikative Angebot erfüllt für beide Seiten wichtige Funktionen:

Für den Verkäufer

  • Markttest: Einschätzung, welche Bewertung am Markt realistisch ist.
  • Käufervergleich: Verschiedene Angebote können hinsichtlich Preis, Struktur und Seriosität verglichen werden.
  • Vorauswahl: Nur die attraktivsten Käufer werden zur Due Diligence eingeladen – das spart Zeit und schützt vertrauliche Informationen.
  • Verhandlungsposition: Mehrere indikative Angebote stärken die Verhandlungsposition für die finale Phase.

Für den Käufer

  • Interessensbekundung: Ernsthaftes Interesse wird dokumentiert.
  • Positionierung: Ein gut strukturiertes Angebot hebt sich von der Konkurrenz ab.
  • Zugang zur Due Diligence: Nur mit einem überzeugenden indikativen Angebot erhält man Zugang zu den detaillierten Unternehmensdaten.

Indikatives Angebot: Muster und Aufbau

Ein professionelles indikatives Angebot folgt einer klaren Struktur. Hier ein Beispiel für die Gliederung:

INDIKATIVES ANGEBOT
Projekt [Projektname]
[Datum]

1. Kaufpreis
Enterprise Value: 5,5 – 6,5 Mio. EUR
Basis: Trailing Twelve Months EBITDA × 4,0-4,5x

2. Transaktionsstruktur
Share Deal (100% der Anteile)
Cash & Debt Free Basis
Working Capital: normalisiert

3. Finanzierung
70% Eigenkapital
30% Akquisitionsfinanzierung (Zusage [Bank] liegt vor)

4. Zeitplan
Due Diligence: 4-6 Wochen
Angestrebtes Signing: [Datum]
Angestrebtes Closing: [Datum]

5. Wesentliche Bedingungen
– Erfolgreiche Due Diligence
– Finale Finanzierungszusage
– Zustimmung der Gesellschafter

6. Weiteres Vorgehen
Wir bitten um Zugang zum Datenraum und ein Management Meeting.

Indikatives Angebot bewerten: Tipps für Verkäufer

Nicht nur der Kaufpreis zählt. Bei der Bewertung von indikativen Angeboten sollten Sie folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Realismus des Kaufpreises: Ist die genannte Spanne plausibel oder unrealistisch hoch? Überhöhte Angebote werden oft nach der Due Diligence korrigiert.
  • Finanzierungssicherheit: Hat der Käufer die Mittel oder eine Finanzierungszusage? PE-Investoren sollten einen Proof of Funds vorweisen können.
  • Track Record: Hat der Käufer Erfahrung mit vergleichbaren Transaktionen? Wurden frühere Deals erfolgreich abgeschlossen?
  • Strategischer Fit: Passt der Käufer zum Unternehmen? Strategische Käufer zahlen oft mehr, weil sie Synergien realisieren können.
  • Transaktionssicherheit: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Deal zum Abschluss kommt? Wenige Bedingungen sind positiv.
  • Zeitplan: Ist der vorgeschlagene Zeitplan realistisch und passt er zu Ihren Vorstellungen?

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Häufige Fragen zum indikativen Angebot

Was ist ein indikatives Angebot?
Ein indikatives Angebot (Indicative Offer) ist ein unverbindliches erstes Kaufangebot im M&A-Prozess. Es basiert auf vorläufigen Informationen wie dem Information Memorandum und enthält eine Kaufpreisspanne, die geplante Transaktionsstruktur und wesentliche Bedingungen. Das Angebot dient der Sondierung des Kaufinteresses und der Vorauswahl von Käufern für die Due Diligence.
Ist ein indikatives Angebot bindend?
Nein, ein indikatives Angebot ist rechtlich unverbindlich. Der Käufer kann jederzeit ohne Angabe von Gründen vom Angebot zurücktreten. Erst das bindende Angebot (Binding Offer) nach Abschluss der Due Diligence schafft eine rechtliche Verpflichtung.
Wann wird ein indikatives Angebot abgegeben?
Ein indikatives Angebot wird typischerweise 2-4 Wochen nach Erhalt des Information Memorandums abgegeben. Es liegt zeitlich zwischen der ersten Informationsphase und der detaillierten Due Diligence. Im strukturierten Verkaufsprozess wird oft eine Frist für die Abgabe gesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen IOI und LOI?
IOI (Indication of Interest) und indikatives Angebot werden oft synonym verwendet – beide sind unverbindlich. LOI (Letter of Intent) kann je nach Ausgestaltung unverbindlich oder teilweise bindend sein und kommt typischerweise später im Prozess. In Deutschland wird der LOI oft als Absichtserklärung vor dem bindenden Angebot verwendet.
Wie viele indikative Angebote sind üblich?
In einem strukturierten Verkaufsprozess werden typischerweise 3-10 potenzielle Käufer angesprochen, von denen 2-5 ein indikatives Angebot abgeben. Aus diesen werden dann 1-3 Käufer für die Due Diligence ausgewählt. Die genaue Anzahl hängt von der Attraktivität des Unternehmens und der Marktlage ab.

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