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Wann ist es sinnvoll, Umsatzmultiples anstelle von EBITDA-Multiples bei der Unternehmensbewertung zu verwenden?

Inhaltsverzeichnis

ebitda multiple

Der EBITDA Multiple ist die zentrale Kennzahl bei der Bewertung von Unternehmen im M&A-Bereich. Er bestimmt maßgeblich, welchen Preis Käufer für ein Unternehmen zu zahlen bereit sind – und welchen Erlös Verkäufer erwarten können. Doch welcher Multiplikator ist für Ihre Branche realistisch? Wie wird er berechnet? Und wann sind Umsatz-Multiples die bessere Alternative? Dieser Leitfaden beantwortet alle relevanten Fragen auf Basis unserer Erfahrung aus über 80 M&A-Transaktionen im Digital-Bereich.

Definition

EBITDA Multiple (auch: EBITDA-Multiplikator) = Bewertungsfaktor, der den Unternehmenswert (Enterprise Value) ins Verhältnis zum EBITDA setzt.

Formel: Unternehmenswert = EBITDA × Multiple

Beispiel: Ein Unternehmen mit 500.000 € EBITDA und einem Multiple von 4x hat einen Unternehmenswert von 2.000.000 €.

Was ist ein EBITDA Multiple? Definition und Grundlagen

Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung der operativen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, da es unabhängig von Finanzierungsentscheidungen, Steuereffekten und buchhalterischen Abschreibungen ist.

Der EBITDA Multiple setzt den Enterprise Value (Unternehmenswert) ins Verhältnis zu dieser operativen Ertragskraft. Ein Multiple von 4x bedeutet, dass der Käufer bereit ist, das Vierfache des jährlichen EBITDA für das Unternehmen zu zahlen. Anders ausgedrückt: Bei gleichbleibendem EBITDA hätte sich die Investition nach vier Jahren amortisiert.

Warum wird der EBITDA Multiple verwendet?

In der M&A-Praxis hat sich das EBITDA gegenüber dem Nettogewinn als Bewertungsbasis durchgesetzt. Die Gründe dafür sind:

  • Vergleichbarkeit: Das EBITDA eliminiert Unterschiede in der Kapitalstruktur (Eigen- vs. Fremdfinanzierung), Steueroptimierungen und Abschreibungsmethoden. Dadurch werden Unternehmen vergleichbar, auch wenn sie unterschiedlich finanziert sind.
  • Cashflow-Nähe: Das EBITDA ist ein guter Indikator für den operativen Cashflow, den ein Käufer zur Tilgung von Akquisitionsfinanzierungen verwenden kann.
  • Manipulationsresistenz: Im Gegensatz zum Nettogewinn lässt sich das EBITDA weniger leicht durch bilanzpolitische Maßnahmen beeinflussen.
  • Internationale Akzeptanz: EBITDA-Multiples sind weltweit der Standard bei M&A-Transaktionen und ermöglichen länderübergreifende Vergleiche.

Enterprise Value vs. Equity Value beim EBITDA Multiple

Ein häufiges Missverständnis betrifft den Unterschied zwischen Enterprise Value (EV) und Equity Value. Der EBITDA Multiple bezieht sich auf den Enterprise Value – also den Gesamtwert des Unternehmens inklusive Schulden. Der Equity Value (Eigenkapitalwert) ergibt sich erst nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten:

Enterprise Value = EBITDA × Multiple
Equity Value = Enterprise Value − Net Debt
Net Debt = Finanzverbindlichkeiten − liquide Mittel

Beispiel: Ein Unternehmen hat ein EBITDA von 600.000 € und wird mit einem EBITDA Multiple von 3,5x bewertet. Daraus ergibt sich ein Enterprise Value von 2.100.000 €. Das Unternehmen hat Bankverbindlichkeiten von 300.000 € und liquide Mittel von 100.000 €, also Net Debt von 200.000 €. Der Kaufpreis für die Anteile (Equity Value) beträgt somit 1.900.000 €.

EBITDA Multiple nach Branchen: Tabelle 2025

Die Höhe des Multiplikators variiert erheblich je nach Branche, Geschäftsmodell und Unternehmensgröße. Die folgende Tabelle zeigt aktuelle Bewertungsbandbreiten für verschiedene Branchen im deutschen Markt. Die Werte basieren auf unserer Transaktionsdatenbank sowie öffentlich verfügbaren Marktdaten.

Branche EBITDA Multiple Wesentliche Einflussfaktoren
Amazon FBA 2,5x – 3,5x Markenportfolio, Diversifikation, Seller-Metriken, Bewertungen
E-Commerce D2C 2,5x – 4x Markenstärke, Kundendaten, Wiederkaufrate, eigener Shop
Multichannel-Handel 2x – 3x Kanaldiversifikation, Eigenmarkenanteil, Lieferantenbeziehungen
SaaS (profitabel) 8x – 12x ARR-Wachstum, Churn Rate, Net Revenue Retention, Gross Margin
IT-Dienstleistung 4x – 6x Mitarbeiterbindung, Kundenverträge, Spezialisierung
Digital-Agentur 3x – 5x Retainer-Anteil, Kundendiversifikation, Inhaberabhängigkeit
Content / Affiliate 2x – 3,5x Traffic-Qualität, Diversifikation der Einnahmequellen, SEO-Stabilität
Verarbeitendes Gewerbe 4x – 6x Maschinenpark, Kundenverträge, Fachkräftesituation
Handwerk 3x – 5x Auftragslage, Mitarbeiterstruktur, Spezialisierung
Einzelhandel 3x – 5x Standort, Mietverträge, Online-Anteil

Stand: Januar 2025. Die Werte beziehen sich auf Transaktionen im deutschen Mittelstand mit einem Enterprise Value zwischen 1 und 20 Mio. €. Quelle: Dragonflip Transaktionsdatenbank, öffentliche M&A-Datenbanken.

EBITDA Multiple im E-Commerce und bei Amazon FBA

Im E-Commerce-Bereich haben sich die EBITDA Multiples seit dem Höhepunkt der Aggregatoren-Welle (2020-2021) normalisiert. Während in der Hochphase vereinzelt Multiples von 4-5x gezahlt wurden, bewegen sich die Bewertungen heute in einem realistischeren Rahmen von 2,5x bis 3,5x EBITDA.

Die Bandbreite innerhalb dieses Rahmens wird maßgeblich durch folgende Faktoren bestimmt:

  • Markenportfolio: Unternehmen mit mehreren etablierten Marken erzielen höhere Multiplikatoren als Single-Brand-Businesses.
  • Plattform-Diversifikation: Reine Amazon-Händler werden niedriger bewertet als Multichannel-Anbieter mit eigenem Shop.
  • Produktkategorie: Consumables und Produkte mit hoher Wiederkaufrate sind attraktiver als Einmalkäufe.
  • Seller-Metriken: Account Health, Bewertungen und Bestseller-Rankings beeinflussen die Bewertung direkt.

EBITDA Multiple bei SaaS und Software-Unternehmen

SaaS-Unternehmen werden typischerweise mit höheren Bewertungsfaktoren bewertet als klassische E-Commerce-Businesses. Der Grund liegt in der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und den wiederkehrenden Umsätzen. Allerdings werden viele SaaS-Unternehmen – insbesondere in frühen Phasen – nicht nach EBITDA, sondern nach Umsatz-Multiples bewertet.

Für profitable SaaS-Unternehmen mit stabilem EBITDA gelten folgende Orientierungswerte:

  • 8x – 10x EBITDA Multiple: Solide SaaS-Businesses mit 10-20% Wachstum, niedrigem Churn (<5% p.a.)
  • 10x – 12x EBITDA Multiple: Premium-SaaS mit starkem Wachstum (>30%), hoher Net Revenue Retention (>110%)
  • >12x EBITDA Multiple: Nur bei außergewöhnlichen Metriken oder strategischen Käufern mit Synergien

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Umsatz-Multiple vs. EBITDA Multiple: Wann welche Methode?

Nicht für alle Unternehmen ist der Multiplikator die geeignete Bewertungsbasis. Insbesondere bei jungen, wachstumsstarken Unternehmen oder Geschäftsmodellen mit hohen Anfangsinvestitionen werden stattdessen Umsatz-Multiples (Revenue Multiples) verwendet.

Definition

Umsatz-Multiple (Revenue Multiple) = Unternehmenswert ÷ Jahresumsatz

Bei SaaS-Unternehmen wird häufig der ARR (Annual Recurring Revenue) als Basis verwendet.

Beispiel: Ein SaaS-Unternehmen mit 1.000.000 € ARR und einem Multiple von 6x hat einen Enterprise Value von 6.000.000 €.

Wann Umsatz-Multiples statt EBITDA Multiples?

Die Bewertung nach Umsatz-Multiples ist in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Negatives oder sehr niedriges EBITDA: Bei Unternehmen in der Wachstumsphase, die noch keine Gewinne erwirtschaften, ist der Multiplikator als Bewertungsbasis ungeeignet.
  • Hohe Skalierbarkeit: SaaS- und Plattform-Geschäftsmodelle können nach Erreichen einer kritischen Masse sehr profitabel werden. Der aktuelle Umsatz ist ein besserer Indikator für das Potenzial als das aktuelle EBITDA.
  • Wiederkehrende Umsätze: Bei Subscription-Modellen sind die Umsätze planbar und haben einen höheren Wert als einmalige Umsätze.
  • Strategische Akquisitionen: Wenn ein Käufer primär an Marktanteilen, Technologie oder Kundenbeziehungen interessiert ist, kann der Umsatz relevanter sein als die aktuelle Profitabilität.

Umsatz-Multiple nach Branchen: Tabelle

Branche / Modell Umsatz-Multiple Typische Voraussetzungen
SaaS (Standard) 4x – 6x ARR 10-20% Wachstum, Churn <10%, Gross Margin >70%
SaaS (Wachstum) 6x – 10x ARR >30% Wachstum, NRR >100%, starkes ICP-Fit
SaaS (Premium) 10x – 15x ARR >50% Wachstum, NRR >120%, Marktführer in Nische
E-Commerce mit Abo 1x – 2,5x Umsatz Subscription Box, hohe Retention, positive Unit Economics
Marketplace / Plattform 2x – 5x Take Rate Netzwerkeffekte, hohe Liquidität, niedrige CAC
Content / Media 1x – 3x Umsatz Diversifizierte Traffic-Quellen, monetarisierbare Audience
Mobile App 2x – 6x Umsatz Aktive Nutzerbasis, Retention, In-App-Revenue

ARR vs. MRR vs. Umsatz: Welche Basis für den Multiple?

Bei der Umsatz-basierten Bewertung ist die Wahl der richtigen Kennzahl entscheidend:

  • ARR (Annual Recurring Revenue): Wird bei SaaS-Unternehmen verwendet. Berechnet sich als MRR × 12. Nur wiederkehrende Umsätze zählen – einmalige Setup-Fees oder Professional Services werden nicht eingerechnet.
  • MRR (Monthly Recurring Revenue): Monatlich wiederkehrender Umsatz. Basis für die ARR-Berechnung.
  • Gesamtumsatz: Bei E-Commerce, Content-Businesses und anderen Modellen ohne klare Recurring-Komponente wird der Gesamtumsatz verwendet.

EBITDA Multiple berechnen: Formel und Beispiele

Die Berechnung des Multiplikators erfolgt je nach Anwendungsfall auf unterschiedliche Weise. Wir unterscheiden drei Szenarien:

Szenario 1: Unternehmenswert mit EBITDA Multiple berechnen

Wenn Sie den branchenüblichen Multiple kennen und Ihr EBITDA ermittelt haben, können Sie den Unternehmenswert direkt berechnen:

Enterprise Value = EBITDA × Multiple

Beispielrechnung:
Ein Amazon FBA Business hat ein bereinigtes EBITDA von 350.000 €. Der branchenübliche Multiplikator für vergleichbare Unternehmen liegt bei 3,2x.

Enterprise Value = 350.000 € × 3,2 = 1.120.000 €

Szenario 2: EBITDA Multiple aus vergleichbarer Transaktion ableiten

Um den marktüblichen Multiplikator für Ihre Branche zu ermitteln, können Sie vergleichbare Transaktionen (Comparable Transactions) analysieren:

Multiple = Enterprise Value ÷ EBITDA

Beispielrechnung:
Ein vergleichbares E-Commerce-Unternehmen wurde kürzlich für 2.400.000 € verkauft (Enterprise Value). Das Unternehmen hatte ein EBITDA von 720.000 €.

EBITDA Multiple = 2.400.000 € ÷ 720.000 € = 3,33x

Szenario 3: Vom Enterprise Value zum Kaufpreis

Der Enterprise Value ist nicht identisch mit dem Kaufpreis, den der Verkäufer erhält. Vom Enterprise Value werden die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen (oder freie Liquidität hinzuaddiert):

Equity Value = Enterprise Value − Net Debt
Net Debt = Finanzverbindlichkeiten − Liquide Mittel − Working Capital Anpassungen

Vollständige Beispielrechnung:

Ausgangsdaten:
– EBITDA: 500.000 €
– EBITDA Multiple: 3,5x
– Bankdarlehen: 200.000 €
– Kontokorrent: 50.000 €
– Liquide Mittel: 80.000 €

Berechnung:
1. Enterprise Value = 500.000 € × 3,5 = 1.750.000 €
2. Net Debt = (200.000 € + 50.000 €) − 80.000 € = 170.000 €
3. Equity Value = 1.750.000 € − 170.000 € = 1.580.000 €

Adjusted EBITDA: Basis für den EBITDA Multiple

Für die Unternehmensbewertung wird nicht das buchhalterische EBITDA verwendet, sondern das bereinigte EBITDA (Adjusted EBITDA). Dabei werden einmalige, nicht-operative oder inhaberbezogene Positionen normalisiert.

Die Bereinigung ist ein kritischer Punkt in jeder M&A-Transaktion, da sie den Multiplikator und damit den Unternehmenswert direkt beeinflusst. Verkäufer tendieren dazu, möglichst viele Kosten als „einmalig“ oder „nicht-operativ“ zu klassifizieren, während Käufer eine konservativere Sichtweise einnehmen.

Typische Add-Backs beim EBITDA Multiple

Position Begründung Akzeptanz
Inhabergehalt über Marktniveau Der über einem angestellten Geschäftsführer liegende Anteil wird addiert Hoch
Private PKW-Nutzung Nicht-betriebsnotwendige Fahrzeugkosten Hoch
Einmalige Rechtskosten Z.B. für Markenstreit, Abmahnung Hoch
Einmalige Beratungskosten Z.B. für ERP-Einführung, Strategieberatung Mittel
Mitarbeiter in Aufbau Kürzlich eingestellte Mitarbeiter, die noch nicht produktiv sind Mittel
Produktentwicklung Investitionen in neue Produkte Niedrig

Wichtig: Dokumentation ist entscheidend

Jede Bereinigung muss nachvollziehbar dokumentiert und begründet werden. Käufer werden jeden Add-Back im Rahmen der Due Diligence hinterfragen. Unbelegte oder übertriebene Bereinigungen führen zu Vertrauensverlust und niedrigeren Bewertungen.

Mehr zum Thema Adjusted EBITDA finden Sie in unserem Glossar-Eintrag zu Adjusted EBITDA.

EBITDA Multiple oder Umsatz-Multiple: Entscheidungskriterien

Die Wahl zwischen Multiplikator und Umsatz-Multiple hängt von der Unternehmensphase, dem Geschäftsmodell und den spezifischen Charakteristika des Unternehmens ab. Die folgende Übersicht fasst die wesentlichen Entscheidungskriterien zusammen:

EBITDA Multiple verwenden wenn:

  • Das Unternehmen eine stabile, positive EBITDA-Marge (>10%) aufweist
  • Die Ertragskraft der vergangenen 2-3 Jahre repräsentativ für die Zukunft ist
  • Das Geschäftsmodell etabliert ist und keine hohen Wachstumsinvestitionen mehr erfordert
  • Der Käufer primär an den laufenden Cashflows interessiert ist
  • Es sich um E-Commerce, Handel, Dienstleistung oder produzierende Unternehmen handelt

Umsatz-Multiple verwenden wenn:

  • Das Unternehmen kein positives oder stark schwankendes EBITDA hat
  • Hohe Wachstumsraten (>30% p.a.) vorliegen
  • Wiederkehrende Umsätze (ARR/MRR) die Umsatzbasis dominieren
  • Das Geschäftsmodell hochskalierbar ist (SaaS, Plattformen)
  • Strategische Käufer an Marktanteilen oder Technologie interessiert sind
Kriterium EBITDA Multiple Umsatz-Multiple
Ideale Unternehmensphase Reife, profitabel Wachstum, Skalierung
Typische Branchen E-Commerce, Handel, Dienstleistung SaaS, Plattformen, Tech
Berücksichtigt Operative Effizienz, Profitabilität Wachstumspotenzial, Skalierbarkeit
Stärke Cashflow-orientiert, vergleichbar Auch ohne Gewinn anwendbar
Schwäche Ungeeignet bei negativem EBITDA Ignoriert Kostenstruktur
Käuferperspektive Finanzinvestoren, PE Strategische Käufer, VC
Typische Bandbreite 2x – 8x 1x – 15x

Welche Faktoren beeinflussen den EBITDA Multiple?

Der konkrete Bewertungsfaktor für ein Unternehmen kann deutlich von den Branchen-Durchschnittswerten abweichen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Faktoren den Multiplikator nach oben oder unten verschieben:

Faktoren die den EBITDA Multiple erhöhen

  • Hohes organisches Wachstum (>20% p.a.): Wachsende Unternehmen werden mit höheren Bewertungsfaktoren bewertet, da sie zukünftig höhere Erträge versprechen.
  • Wiederkehrende Umsätze: Subscription-Modelle, langfristige Verträge und hohe Wiederkaufraten reduzieren das Risiko für Käufer.
  • Starke Marktposition: Marktführer oder Nischenführer können Premium-Preise und höhere Bewertungsfaktoren erzielen.
  • Diversifizierte Umsatzbasis: Geringe Abhängigkeit von einzelnen Kunden, Produkten oder Kanälen.
  • Geringe Inhaberabhängigkeit: Ein funktionierendes Management-Team und dokumentierte Prozesse.
  • Saubere Finanzen: Transparente, nachvollziehbare Buchhaltung und klare Unternehmensstruktur.
  • Strategischer Fit: Wenn der Käufer Synergien realisieren kann, ist er bereit, einen höheren Multiplikator zu zahlen.
  • Wettbewerbssituation: Mehrere interessierte Käufer (Bieterverfahren) treiben den Preis nach oben.

Faktoren die den EBITDA Multiple senken

  • Rückläufige Umsätze oder Margen: Negative Trends führen zu deutlichen Abschlägen beim Bewertungsfaktor.
  • Hohe Kundenkonzentration: Wenn >30% des Umsatzes von einem Kunden abhängen.
  • Plattformabhängigkeit: Starke Abhängigkeit von Amazon, Google oder anderen Plattformen erhöht das Risiko.
  • Inhaberabhängigkeit: Wenn das Geschäft ohne den Gründer nicht funktioniert.
  • Unklare Rechtsverhältnisse: Markenrechte, Lizenzen oder Verträge nicht sauber dokumentiert.
  • Qualität der Finanzdaten: Unvollständige Buchhaltung, vermischte Privat-/Geschäftskonten.
  • Investitionsstau: Notwendige Investitionen (IT, Personal, Produkte) wurden aufgeschoben.
  • Einzelkäufer ohne Wettbewerb: Ohne konkurrierende Angebote fehlt der Preisdruck.

EBITDA Multiple nach Unternehmensgröße

Ein oft unterschätzter Faktor ist der Einfluss der Unternehmensgröße auf den Multiplikator. Größere Unternehmen werden systematisch höher bewertet als kleinere – selbst bei sonst identischen Charakteristika. Dieser „Size Premium“ hat mehrere Gründe:

  • Geringeres Risiko: Größere Unternehmen sind in der Regel diversifizierter und weniger anfällig für einzelne Ausfälle.
  • Professionellere Strukturen: Etablierte Prozesse, Management-Teams und Governance.
  • Bessere Finanzierbarkeit: Banken und Investoren finanzieren größere Transaktionen zu besseren Konditionen.
  • Mehr Käuferinteresse: Private Equity Fonds und strategische Käufer suchen oft nach Mindestgrößen.

EBITDA Multiple Size Premium nach Größenklasse

EBITDA-Größe Typischer Multiple-Aufschlag Käufergruppen
<250.000 € Basis (kein Aufschlag) Privatpersonen, kleine Unternehmer
250.000 – 500.000 € +0,5x Unternehmer, Family Offices, kleine PE
500.000 – 1.000.000 € +0,5x bis +1x Strategische Käufer, mittelständische PE
1.000.000 – 3.000.000 € +1x bis +1,5x Private Equity, Corporates
>3.000.000 € +1,5x bis +2x Große PE-Fonds, internationale Corporates

Beispiel: Ein E-Commerce-Unternehmen mit 200.000 € EBITDA wird mit einem Multiplikator von 2,5x bewertet. Ein vergleichbares E-Commerce-Unternehmen mit 1.000.000 € EBITDA könnte 3,5x bis 4x erzielen – nicht weil es „besser“ ist, sondern weil es für mehr Käufer interessant ist und bessere Finanzierungskonditionen ermöglicht.

Mehr zu den verschiedenen Käufergruppen und ihrer Zahlungsbereitschaft finden Sie in unserem Artikel: Welche Käufer haben die höchste Zahlungsbereitschaft?

EBITDA Multiple in Verhandlungen: Tipps für Verkäufer

Die Bewertung eines Unternehmens ist keine exakte Wissenschaft, sondern das Ergebnis einer Verhandlung zwischen Käufer und Verkäufer. Mit der richtigen Vorbereitung und Strategie können Sie einen höheren Bewertungsfaktor durchsetzen:

Vor der Verhandlung: Optimal vorbereiten

  • Saubere Finanzdaten: Bereiten Sie eine nachvollziehbare EBITDA-Ableitung mit allen Add-Backs vor. Jede Position muss dokumentiert und begründet sein.
  • Vergleichstransaktionen recherchieren: Kennen Sie die Multiplikatoren, zu denen vergleichbare Unternehmen verkauft wurden.
  • Value Drivers identifizieren: Was macht Ihr Unternehmen besonders? Wachstum, Marke, Team, Technologie?
  • Wettbewerb schaffen: Mehrere Kaufinteressenten parallel zu verhandeln ist der stärkste Hebel für einen höheren EBITDA Multiple.

In der Verhandlung: Argumente für höhere EBITDA Multiples

  • Wachstumsperspektive: „Das aktuelle EBITDA von 400.000 € wird bei gleichbleibender Wachstumsrate in zwei Jahren bei 600.000 € liegen.“
  • Synergien für den Käufer: „Durch die Integration in Ihre bestehende Logistik können Sie die EBITDA-Marge um 5 Prozentpunkte steigern.“
  • Strategischer Wert: „Unsere Marke hat einen Bekanntheitsgrad von 40% in der Zielgruppe – das lässt sich nicht in drei Jahren aufbauen.“
  • Vergleichstransaktionen: „Die letzte vergleichbare Transaktion in unserer Branche lag bei einem Multiplikator von 4x.“

Strukturelle Optionen bei Bewertungslücken

Wenn Käufer und Verkäufer beim Bewertungsfaktor nicht zusammenkommen, können Deal-Strukturen helfen, die Lücke zu überbrücken:

  • Earn-Out: Ein Teil des Kaufpreises wird an das Erreichen zukünftiger Ziele (Umsatz, EBITDA) geknüpft. Mehr dazu: Was ist die Earn-Out-Klausel?
  • Verkäuferdarlehen: Der Verkäufer finanziert einen Teil des Kaufpreises und erhält diesen über Zeit zurück.
  • Rückbeteiligung: Der Verkäufer behält einen Minderheitsanteil und profitiert von der zukünftigen Wertsteigerung.

Häufige Fragen zum EBITDA Multiple

Was ist ein EBITDA Multiple?
Ein EBITDA Multiple ist ein Bewertungsfaktor, der den Unternehmenswert (Enterprise Value) ins Verhältnis zum EBITDA setzt. Die Formel lautet: Unternehmenswert = EBITDA × Multiple. Bei einem EBITDA von 500.000 € und einem Multiplikator von 4x ergibt sich ein Unternehmenswert von 2.000.000 €. Der Multiplikator spiegelt wider, wie viele Jahre an EBITDA ein Käufer bereit ist zu zahlen.
Welche EBITDA Multiples sind für Amazon FBA üblich?
Amazon FBA Businesses werden typischerweise mit einem Multiplikator von 2,5x bis 3,5x bewertet. Der genaue Bewertungsfaktor hängt ab von: Anzahl und Stärke der Marken, Diversifikation über Produkte und Märkte, Wachstumsrate, Bewertungen und Rankings sowie der Qualität der Seller-Metriken. Nach der Konsolidierungswelle der Aggregatoren (2020-2022) haben sich die Bewertungen auf einem realistischeren Niveau eingependelt.
Wann sollte ich Umsatz-Multiples statt EBITDA Multiples verwenden?
Umsatz-Multiples sind sinnvoll bei: (1) Jungen Unternehmen ohne stabile Gewinne, (2) SaaS und Software mit wiederkehrenden Umsätzen (ARR), (3) Stark wachsenden Unternehmen in der Investitionsphase, (4) Geschäftsmodellen mit hoher Skalierbarkeit. Bei profitablen, etablierten Unternehmen ist der Multiplikator in der Regel aussagekräftiger.
Wie berechne ich den richtigen EBITDA Multiple für meine Branche?
Der beste Ansatz ist die Analyse vergleichbarer Transaktionen (Comparable Transactions). Recherchieren Sie, zu welchen Multiplikatoren ähnliche Unternehmen in Ihrer Branche verkauft wurden. Achten Sie dabei auf Vergleichbarkeit hinsichtlich Größe, Geschäftsmodell und Marktposition. M&A-Berater wie Dragonflip haben Zugang zu Transaktionsdatenbanken und können marktgerechte Einschätzungen liefern.
Welche Kennzahlen beeinflussen den EBITDA Multiple am stärksten?
Die wichtigsten Faktoren für den Bewertungsfaktor sind: Wachstumsrate (höheres Wachstum = höherer Multiple), wiederkehrende Umsätze, Inhaberabhängigkeit (je geringer, desto besser), Diversifikation der Umsatzquellen, Qualität der Finanzdaten und die allgemeine Marktlage. Bei gleicher Branche kann der Multiplikator zwischen zwei Unternehmen um 1-2x variieren, abhängig von diesen Faktoren.
Gibt es Unternehmen, die sich nicht für eine EBITDA Multiple Bewertung eignen?
Ja, in einigen Fällen sind andere Bewertungsmethoden besser geeignet als der EBITDA Multiple: Asset-intensive Unternehmen (Substanzwert), stark schwankende Ergebnisse (DCF-Verfahren), Immobiliengesellschaften (NAV), Liquidationen (Liquidationswert). Auch bei sehr kleinen Unternehmen (<100.000 € EBITDA) sind Multiplikatoren oft weniger aussagekräftig.
Was ist der Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value?
Der Enterprise Value (EV) ist der Gesamtwert des Unternehmens inklusive Schulden. Der Equity Value ist der Wert der Eigenkapitalanteile – also das, was der Verkäufer nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten erhält. Formel: Equity Value = Enterprise Value − Net Debt. Der EBITDA Multiple bezieht sich auf den Enterprise Value.
Wie kann ich den EBITDA Multiple für mein Unternehmen erhöhen?
Die wichtigsten Hebel für einen höheren Bewertungsfaktor sind: Wachstum steigern, Inhaberabhängigkeit reduzieren, Umsatzquellen diversifizieren, Finanzen professionalisieren, wiederkehrende Umsätze aufbauen. Vor einem Verkauf sollten Sie 12-24 Monate Vorbereitungszeit einplanen, um diese Faktoren zu optimieren. Ein strukturierter Verkaufsprozess mit mehreren Käufern im Wettbewerb hat ebenfalls erheblichen Einfluss auf den erzielbaren Bewertungsfaktor.

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FAQ

Welche Multiples sind für Amazon FBA-Businesses üblich?
Amazon FBA-Unternehmen werden meist mit EBITDA-Multiples von 2-4x bewertet, da sie typischerweise profitable, etablierte Geschäftsmodelle haben. Bei sehr jungen oder stark wachsenden FBA-Businesses (über 100% Jahreswachstum) können auch Umsatzmultiples von 0,8-1,5x angewendet werden. Entscheidend sind Faktoren wie Markendiversifikation, Plattformabhängigkeit und Nachhaltigkeit der Rankings.
Wann sollte ich bei der Bewertung zwischen beiden Methoden wechseln?
Der Wechsel macht Sinn beim Übergang von Wachstums- zur Reifephase: Solange ein Unternehmen über 50% jährlich wächst und noch investiert, sind Umsatzmultiples oft angemessener. Sobald sich das Wachstum bei 20-30% stabilisiert und stabile Margen erreicht werden, sollten Sie auf EBITDA-Multiples umsteigen. Auch bei break-even oder Profitabilität ist der Wechsel sinnvoll.
Wie berechne ich die richtigen Multiples für meine Branche?
Recherchieren Sie vergleichbare Transaktionen der letzten 2-3 Jahre in Ihrer Branche und Unternehmensgröße. Nutzen Sie Datenbanken wie Pitchbook, CapitalIQ oder kostenlose Quellen wie die BVK-Studien. Wichtig: Berücksichtigen Sie Unternehmensgröße, Wachstumsraten und Marktposition. Ein 10 Mio€ Umsatz-Unternehmen hat andere Multiples als ein 1 Mio€ Business.
Welche Kennzahlen beeinflussen die Multiples am stärksten?
Bei EBITDA-Multiples: Margenstabilität, Wachstumsrate, Marktposition und Abhängigkeiten. Bei Umsatzmultiples: Wiederkehrende Umsätze (ARR), Churn Rate, Wachstumsrate und Skalierbarkeit. SaaS-Unternehmen mit hoher Net Revenue Retention (>110%) erzielen oft 20-50% höhere Multiples. Auch die Kundenkonzentration spielt eine große Rolle.
Gibt es Unternehmen, die sich nicht für Multiple-Bewertungen eignen?
Ja, besonders Unternehmen mit sehr volatilen oder projektabhängigen Umsätzen (z.B. Beratung, Bauwesen), sehr frühe Startups ohne stabilen Umsatz oder Turnaround-Situationen. Hier sind DCF-Bewertungen oder Asset-basierte Ansätze oft angemessener. Auch bei sehr spezialisierten Nischenmärkten ohne Vergleichstransaktionen sind Multiples schwer anwendbar.

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