Der EBITDA Multiple ist die zentrale Kennzahl bei der Bewertung von Unternehmen im M&A-Bereich. Er bestimmt maßgeblich, welchen Preis Käufer für ein Unternehmen zu zahlen bereit sind – und welchen Erlös Verkäufer erwarten können. Doch welcher Multiplikator ist für Ihre Branche realistisch? Wie wird er berechnet? Und wann sind Umsatz-Multiples die bessere Alternative? Dieser Leitfaden beantwortet alle relevanten Fragen auf Basis unserer Erfahrung aus über 80 M&A-Transaktionen im Digital-Bereich.
Definition
EBITDA Multiple (auch: EBITDA-Multiplikator) = Bewertungsfaktor, der den Unternehmenswert (Enterprise Value) ins Verhältnis zum EBITDA setzt.
Formel: Unternehmenswert = EBITDA × Multiple
Beispiel: Ein Unternehmen mit 500.000 € EBITDA und einem Multiple von 4x hat einen Unternehmenswert von 2.000.000 €.
Was ist ein EBITDA Multiple? Definition und Grundlagen
Das EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung der operativen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, da es unabhängig von Finanzierungsentscheidungen, Steuereffekten und buchhalterischen Abschreibungen ist.
Der EBITDA Multiple setzt den Enterprise Value (Unternehmenswert) ins Verhältnis zu dieser operativen Ertragskraft. Ein Multiple von 4x bedeutet, dass der Käufer bereit ist, das Vierfache des jährlichen EBITDA für das Unternehmen zu zahlen. Anders ausgedrückt: Bei gleichbleibendem EBITDA hätte sich die Investition nach vier Jahren amortisiert.
Warum wird der EBITDA Multiple verwendet?
In der M&A-Praxis hat sich das EBITDA gegenüber dem Nettogewinn als Bewertungsbasis durchgesetzt. Die Gründe dafür sind:
- Vergleichbarkeit: Das EBITDA eliminiert Unterschiede in der Kapitalstruktur (Eigen- vs. Fremdfinanzierung), Steueroptimierungen und Abschreibungsmethoden. Dadurch werden Unternehmen vergleichbar, auch wenn sie unterschiedlich finanziert sind.
- Cashflow-Nähe: Das EBITDA ist ein guter Indikator für den operativen Cashflow, den ein Käufer zur Tilgung von Akquisitionsfinanzierungen verwenden kann.
- Manipulationsresistenz: Im Gegensatz zum Nettogewinn lässt sich das EBITDA weniger leicht durch bilanzpolitische Maßnahmen beeinflussen.
- Internationale Akzeptanz: EBITDA-Multiples sind weltweit der Standard bei M&A-Transaktionen und ermöglichen länderübergreifende Vergleiche.
Enterprise Value vs. Equity Value beim EBITDA Multiple
Ein häufiges Missverständnis betrifft den Unterschied zwischen Enterprise Value (EV) und Equity Value. Der EBITDA Multiple bezieht sich auf den Enterprise Value – also den Gesamtwert des Unternehmens inklusive Schulden. Der Equity Value (Eigenkapitalwert) ergibt sich erst nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten:
Enterprise Value = EBITDA × Multiple
Equity Value = Enterprise Value − Net Debt
Net Debt = Finanzverbindlichkeiten − liquide Mittel
Beispiel: Ein Unternehmen hat ein EBITDA von 600.000 € und wird mit einem EBITDA Multiple von 3,5x bewertet. Daraus ergibt sich ein Enterprise Value von 2.100.000 €. Das Unternehmen hat Bankverbindlichkeiten von 300.000 € und liquide Mittel von 100.000 €, also Net Debt von 200.000 €. Der Kaufpreis für die Anteile (Equity Value) beträgt somit 1.900.000 €.
EBITDA Multiple nach Branchen: Tabelle 2025
Die Höhe des Multiplikators variiert erheblich je nach Branche, Geschäftsmodell und Unternehmensgröße. Die folgende Tabelle zeigt aktuelle Bewertungsbandbreiten für verschiedene Branchen im deutschen Markt. Die Werte basieren auf unserer Transaktionsdatenbank sowie öffentlich verfügbaren Marktdaten.
| Branche | EBITDA Multiple | Wesentliche Einflussfaktoren |
|---|---|---|
| Amazon FBA | 2,5x – 3,5x | Markenportfolio, Diversifikation, Seller-Metriken, Bewertungen |
| E-Commerce D2C | 2,5x – 4x | Markenstärke, Kundendaten, Wiederkaufrate, eigener Shop |
| Multichannel-Handel | 2x – 3x | Kanaldiversifikation, Eigenmarkenanteil, Lieferantenbeziehungen |
| SaaS (profitabel) | 8x – 12x | ARR-Wachstum, Churn Rate, Net Revenue Retention, Gross Margin |
| IT-Dienstleistung | 4x – 6x | Mitarbeiterbindung, Kundenverträge, Spezialisierung |
| Digital-Agentur | 3x – 5x | Retainer-Anteil, Kundendiversifikation, Inhaberabhängigkeit |
| Content / Affiliate | 2x – 3,5x | Traffic-Qualität, Diversifikation der Einnahmequellen, SEO-Stabilität |
| Verarbeitendes Gewerbe | 4x – 6x | Maschinenpark, Kundenverträge, Fachkräftesituation |
| Handwerk | 3x – 5x | Auftragslage, Mitarbeiterstruktur, Spezialisierung |
| Einzelhandel | 3x – 5x | Standort, Mietverträge, Online-Anteil |
Stand: Januar 2025. Die Werte beziehen sich auf Transaktionen im deutschen Mittelstand mit einem Enterprise Value zwischen 1 und 20 Mio. €. Quelle: Dragonflip Transaktionsdatenbank, öffentliche M&A-Datenbanken.
EBITDA Multiple im E-Commerce und bei Amazon FBA
Im E-Commerce-Bereich haben sich die EBITDA Multiples seit dem Höhepunkt der Aggregatoren-Welle (2020-2021) normalisiert. Während in der Hochphase vereinzelt Multiples von 4-5x gezahlt wurden, bewegen sich die Bewertungen heute in einem realistischeren Rahmen von 2,5x bis 3,5x EBITDA.
Die Bandbreite innerhalb dieses Rahmens wird maßgeblich durch folgende Faktoren bestimmt:
- Markenportfolio: Unternehmen mit mehreren etablierten Marken erzielen höhere Multiplikatoren als Single-Brand-Businesses.
- Plattform-Diversifikation: Reine Amazon-Händler werden niedriger bewertet als Multichannel-Anbieter mit eigenem Shop.
- Produktkategorie: Consumables und Produkte mit hoher Wiederkaufrate sind attraktiver als Einmalkäufe.
- Seller-Metriken: Account Health, Bewertungen und Bestseller-Rankings beeinflussen die Bewertung direkt.
EBITDA Multiple bei SaaS und Software-Unternehmen
SaaS-Unternehmen werden typischerweise mit höheren Bewertungsfaktoren bewertet als klassische E-Commerce-Businesses. Der Grund liegt in der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells und den wiederkehrenden Umsätzen. Allerdings werden viele SaaS-Unternehmen – insbesondere in frühen Phasen – nicht nach EBITDA, sondern nach Umsatz-Multiples bewertet.
Für profitable SaaS-Unternehmen mit stabilem EBITDA gelten folgende Orientierungswerte:
- 8x – 10x EBITDA Multiple: Solide SaaS-Businesses mit 10-20% Wachstum, niedrigem Churn (<5% p.a.)
- 10x – 12x EBITDA Multiple: Premium-SaaS mit starkem Wachstum (>30%), hoher Net Revenue Retention (>110%)
- >12x EBITDA Multiple: Nur bei außergewöhnlichen Metriken oder strategischen Käufern mit Synergien
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Zum Unternehmenswert-RechnerUmsatz-Multiple vs. EBITDA Multiple: Wann welche Methode?
Nicht für alle Unternehmen ist der Multiplikator die geeignete Bewertungsbasis. Insbesondere bei jungen, wachstumsstarken Unternehmen oder Geschäftsmodellen mit hohen Anfangsinvestitionen werden stattdessen Umsatz-Multiples (Revenue Multiples) verwendet.
Definition
Umsatz-Multiple (Revenue Multiple) = Unternehmenswert ÷ Jahresumsatz
Bei SaaS-Unternehmen wird häufig der ARR (Annual Recurring Revenue) als Basis verwendet.
Beispiel: Ein SaaS-Unternehmen mit 1.000.000 € ARR und einem Multiple von 6x hat einen Enterprise Value von 6.000.000 €.
Wann Umsatz-Multiples statt EBITDA Multiples?
Die Bewertung nach Umsatz-Multiples ist in folgenden Situationen sinnvoll:
- Negatives oder sehr niedriges EBITDA: Bei Unternehmen in der Wachstumsphase, die noch keine Gewinne erwirtschaften, ist der Multiplikator als Bewertungsbasis ungeeignet.
- Hohe Skalierbarkeit: SaaS- und Plattform-Geschäftsmodelle können nach Erreichen einer kritischen Masse sehr profitabel werden. Der aktuelle Umsatz ist ein besserer Indikator für das Potenzial als das aktuelle EBITDA.
- Wiederkehrende Umsätze: Bei Subscription-Modellen sind die Umsätze planbar und haben einen höheren Wert als einmalige Umsätze.
- Strategische Akquisitionen: Wenn ein Käufer primär an Marktanteilen, Technologie oder Kundenbeziehungen interessiert ist, kann der Umsatz relevanter sein als die aktuelle Profitabilität.
Umsatz-Multiple nach Branchen: Tabelle
| Branche / Modell | Umsatz-Multiple | Typische Voraussetzungen |
|---|---|---|
| SaaS (Standard) | 4x – 6x ARR | 10-20% Wachstum, Churn <10%, Gross Margin >70% |
| SaaS (Wachstum) | 6x – 10x ARR | >30% Wachstum, NRR >100%, starkes ICP-Fit |
| SaaS (Premium) | 10x – 15x ARR | >50% Wachstum, NRR >120%, Marktführer in Nische |
| E-Commerce mit Abo | 1x – 2,5x Umsatz | Subscription Box, hohe Retention, positive Unit Economics |
| Marketplace / Plattform | 2x – 5x Take Rate | Netzwerkeffekte, hohe Liquidität, niedrige CAC |
| Content / Media | 1x – 3x Umsatz | Diversifizierte Traffic-Quellen, monetarisierbare Audience |
| Mobile App | 2x – 6x Umsatz | Aktive Nutzerbasis, Retention, In-App-Revenue |
ARR vs. MRR vs. Umsatz: Welche Basis für den Multiple?
Bei der Umsatz-basierten Bewertung ist die Wahl der richtigen Kennzahl entscheidend:
- ARR (Annual Recurring Revenue): Wird bei SaaS-Unternehmen verwendet. Berechnet sich als MRR × 12. Nur wiederkehrende Umsätze zählen – einmalige Setup-Fees oder Professional Services werden nicht eingerechnet.
- MRR (Monthly Recurring Revenue): Monatlich wiederkehrender Umsatz. Basis für die ARR-Berechnung.
- Gesamtumsatz: Bei E-Commerce, Content-Businesses und anderen Modellen ohne klare Recurring-Komponente wird der Gesamtumsatz verwendet.
EBITDA Multiple berechnen: Formel und Beispiele
Die Berechnung des Multiplikators erfolgt je nach Anwendungsfall auf unterschiedliche Weise. Wir unterscheiden drei Szenarien:
Szenario 1: Unternehmenswert mit EBITDA Multiple berechnen
Wenn Sie den branchenüblichen Multiple kennen und Ihr EBITDA ermittelt haben, können Sie den Unternehmenswert direkt berechnen:
Enterprise Value = EBITDA × Multiple
Beispielrechnung:
Ein Amazon FBA Business hat ein bereinigtes EBITDA von 350.000 €. Der branchenübliche Multiplikator für vergleichbare Unternehmen liegt bei 3,2x.
Enterprise Value = 350.000 € × 3,2 = 1.120.000 €
Szenario 2: EBITDA Multiple aus vergleichbarer Transaktion ableiten
Um den marktüblichen Multiplikator für Ihre Branche zu ermitteln, können Sie vergleichbare Transaktionen (Comparable Transactions) analysieren:
Multiple = Enterprise Value ÷ EBITDA
Beispielrechnung:
Ein vergleichbares E-Commerce-Unternehmen wurde kürzlich für 2.400.000 € verkauft (Enterprise Value). Das Unternehmen hatte ein EBITDA von 720.000 €.
EBITDA Multiple = 2.400.000 € ÷ 720.000 € = 3,33x
Szenario 3: Vom Enterprise Value zum Kaufpreis
Der Enterprise Value ist nicht identisch mit dem Kaufpreis, den der Verkäufer erhält. Vom Enterprise Value werden die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen (oder freie Liquidität hinzuaddiert):
Equity Value = Enterprise Value − Net Debt
Net Debt = Finanzverbindlichkeiten − Liquide Mittel − Working Capital Anpassungen
Vollständige Beispielrechnung:
Ausgangsdaten:
– EBITDA: 500.000 €
– EBITDA Multiple: 3,5x
– Bankdarlehen: 200.000 €
– Kontokorrent: 50.000 €
– Liquide Mittel: 80.000 €
Berechnung:
1. Enterprise Value = 500.000 € × 3,5 = 1.750.000 €
2. Net Debt = (200.000 € + 50.000 €) − 80.000 € = 170.000 €
3. Equity Value = 1.750.000 € − 170.000 € = 1.580.000 €
Adjusted EBITDA: Basis für den EBITDA Multiple
Für die Unternehmensbewertung wird nicht das buchhalterische EBITDA verwendet, sondern das bereinigte EBITDA (Adjusted EBITDA). Dabei werden einmalige, nicht-operative oder inhaberbezogene Positionen normalisiert.
Die Bereinigung ist ein kritischer Punkt in jeder M&A-Transaktion, da sie den Multiplikator und damit den Unternehmenswert direkt beeinflusst. Verkäufer tendieren dazu, möglichst viele Kosten als „einmalig“ oder „nicht-operativ“ zu klassifizieren, während Käufer eine konservativere Sichtweise einnehmen.
Typische Add-Backs beim EBITDA Multiple
| Position | Begründung | Akzeptanz |
|---|---|---|
| Inhabergehalt über Marktniveau | Der über einem angestellten Geschäftsführer liegende Anteil wird addiert | Hoch |
| Private PKW-Nutzung | Nicht-betriebsnotwendige Fahrzeugkosten | Hoch |
| Einmalige Rechtskosten | Z.B. für Markenstreit, Abmahnung | Hoch |
| Einmalige Beratungskosten | Z.B. für ERP-Einführung, Strategieberatung | Mittel |
| Mitarbeiter in Aufbau | Kürzlich eingestellte Mitarbeiter, die noch nicht produktiv sind | Mittel |
| Produktentwicklung | Investitionen in neue Produkte | Niedrig |
Wichtig: Dokumentation ist entscheidend
Jede Bereinigung muss nachvollziehbar dokumentiert und begründet werden. Käufer werden jeden Add-Back im Rahmen der Due Diligence hinterfragen. Unbelegte oder übertriebene Bereinigungen führen zu Vertrauensverlust und niedrigeren Bewertungen.
Mehr zum Thema Adjusted EBITDA finden Sie in unserem Glossar-Eintrag zu Adjusted EBITDA.
EBITDA Multiple oder Umsatz-Multiple: Entscheidungskriterien
Die Wahl zwischen Multiplikator und Umsatz-Multiple hängt von der Unternehmensphase, dem Geschäftsmodell und den spezifischen Charakteristika des Unternehmens ab. Die folgende Übersicht fasst die wesentlichen Entscheidungskriterien zusammen:
EBITDA Multiple verwenden wenn:
- Das Unternehmen eine stabile, positive EBITDA-Marge (>10%) aufweist
- Die Ertragskraft der vergangenen 2-3 Jahre repräsentativ für die Zukunft ist
- Das Geschäftsmodell etabliert ist und keine hohen Wachstumsinvestitionen mehr erfordert
- Der Käufer primär an den laufenden Cashflows interessiert ist
- Es sich um E-Commerce, Handel, Dienstleistung oder produzierende Unternehmen handelt
Umsatz-Multiple verwenden wenn:
- Das Unternehmen kein positives oder stark schwankendes EBITDA hat
- Hohe Wachstumsraten (>30% p.a.) vorliegen
- Wiederkehrende Umsätze (ARR/MRR) die Umsatzbasis dominieren
- Das Geschäftsmodell hochskalierbar ist (SaaS, Plattformen)
- Strategische Käufer an Marktanteilen oder Technologie interessiert sind
| Kriterium | EBITDA Multiple | Umsatz-Multiple |
|---|---|---|
| Ideale Unternehmensphase | Reife, profitabel | Wachstum, Skalierung |
| Typische Branchen | E-Commerce, Handel, Dienstleistung | SaaS, Plattformen, Tech |
| Berücksichtigt | Operative Effizienz, Profitabilität | Wachstumspotenzial, Skalierbarkeit |
| Stärke | Cashflow-orientiert, vergleichbar | Auch ohne Gewinn anwendbar |
| Schwäche | Ungeeignet bei negativem EBITDA | Ignoriert Kostenstruktur |
| Käuferperspektive | Finanzinvestoren, PE | Strategische Käufer, VC |
| Typische Bandbreite | 2x – 8x | 1x – 15x |
Welche Faktoren beeinflussen den EBITDA Multiple?
Der konkrete Bewertungsfaktor für ein Unternehmen kann deutlich von den Branchen-Durchschnittswerten abweichen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Faktoren den Multiplikator nach oben oder unten verschieben:
Faktoren die den EBITDA Multiple erhöhen
- Hohes organisches Wachstum (>20% p.a.): Wachsende Unternehmen werden mit höheren Bewertungsfaktoren bewertet, da sie zukünftig höhere Erträge versprechen.
- Wiederkehrende Umsätze: Subscription-Modelle, langfristige Verträge und hohe Wiederkaufraten reduzieren das Risiko für Käufer.
- Starke Marktposition: Marktführer oder Nischenführer können Premium-Preise und höhere Bewertungsfaktoren erzielen.
- Diversifizierte Umsatzbasis: Geringe Abhängigkeit von einzelnen Kunden, Produkten oder Kanälen.
- Geringe Inhaberabhängigkeit: Ein funktionierendes Management-Team und dokumentierte Prozesse.
- Saubere Finanzen: Transparente, nachvollziehbare Buchhaltung und klare Unternehmensstruktur.
- Strategischer Fit: Wenn der Käufer Synergien realisieren kann, ist er bereit, einen höheren Multiplikator zu zahlen.
- Wettbewerbssituation: Mehrere interessierte Käufer (Bieterverfahren) treiben den Preis nach oben.
Faktoren die den EBITDA Multiple senken
- Rückläufige Umsätze oder Margen: Negative Trends führen zu deutlichen Abschlägen beim Bewertungsfaktor.
- Hohe Kundenkonzentration: Wenn >30% des Umsatzes von einem Kunden abhängen.
- Plattformabhängigkeit: Starke Abhängigkeit von Amazon, Google oder anderen Plattformen erhöht das Risiko.
- Inhaberabhängigkeit: Wenn das Geschäft ohne den Gründer nicht funktioniert.
- Unklare Rechtsverhältnisse: Markenrechte, Lizenzen oder Verträge nicht sauber dokumentiert.
- Qualität der Finanzdaten: Unvollständige Buchhaltung, vermischte Privat-/Geschäftskonten.
- Investitionsstau: Notwendige Investitionen (IT, Personal, Produkte) wurden aufgeschoben.
- Einzelkäufer ohne Wettbewerb: Ohne konkurrierende Angebote fehlt der Preisdruck.
EBITDA Multiple nach Unternehmensgröße
Ein oft unterschätzter Faktor ist der Einfluss der Unternehmensgröße auf den Multiplikator. Größere Unternehmen werden systematisch höher bewertet als kleinere – selbst bei sonst identischen Charakteristika. Dieser „Size Premium“ hat mehrere Gründe:
- Geringeres Risiko: Größere Unternehmen sind in der Regel diversifizierter und weniger anfällig für einzelne Ausfälle.
- Professionellere Strukturen: Etablierte Prozesse, Management-Teams und Governance.
- Bessere Finanzierbarkeit: Banken und Investoren finanzieren größere Transaktionen zu besseren Konditionen.
- Mehr Käuferinteresse: Private Equity Fonds und strategische Käufer suchen oft nach Mindestgrößen.
EBITDA Multiple Size Premium nach Größenklasse
| EBITDA-Größe | Typischer Multiple-Aufschlag | Käufergruppen |
|---|---|---|
| <250.000 € | Basis (kein Aufschlag) | Privatpersonen, kleine Unternehmer |
| 250.000 – 500.000 € | +0,5x | Unternehmer, Family Offices, kleine PE |
| 500.000 – 1.000.000 € | +0,5x bis +1x | Strategische Käufer, mittelständische PE |
| 1.000.000 – 3.000.000 € | +1x bis +1,5x | Private Equity, Corporates |
| >3.000.000 € | +1,5x bis +2x | Große PE-Fonds, internationale Corporates |
Beispiel: Ein E-Commerce-Unternehmen mit 200.000 € EBITDA wird mit einem Multiplikator von 2,5x bewertet. Ein vergleichbares E-Commerce-Unternehmen mit 1.000.000 € EBITDA könnte 3,5x bis 4x erzielen – nicht weil es „besser“ ist, sondern weil es für mehr Käufer interessant ist und bessere Finanzierungskonditionen ermöglicht.
Mehr zu den verschiedenen Käufergruppen und ihrer Zahlungsbereitschaft finden Sie in unserem Artikel: Welche Käufer haben die höchste Zahlungsbereitschaft?
EBITDA Multiple in Verhandlungen: Tipps für Verkäufer
Die Bewertung eines Unternehmens ist keine exakte Wissenschaft, sondern das Ergebnis einer Verhandlung zwischen Käufer und Verkäufer. Mit der richtigen Vorbereitung und Strategie können Sie einen höheren Bewertungsfaktor durchsetzen:
Vor der Verhandlung: Optimal vorbereiten
- Saubere Finanzdaten: Bereiten Sie eine nachvollziehbare EBITDA-Ableitung mit allen Add-Backs vor. Jede Position muss dokumentiert und begründet sein.
- Vergleichstransaktionen recherchieren: Kennen Sie die Multiplikatoren, zu denen vergleichbare Unternehmen verkauft wurden.
- Value Drivers identifizieren: Was macht Ihr Unternehmen besonders? Wachstum, Marke, Team, Technologie?
- Wettbewerb schaffen: Mehrere Kaufinteressenten parallel zu verhandeln ist der stärkste Hebel für einen höheren EBITDA Multiple.
In der Verhandlung: Argumente für höhere EBITDA Multiples
- Wachstumsperspektive: „Das aktuelle EBITDA von 400.000 € wird bei gleichbleibender Wachstumsrate in zwei Jahren bei 600.000 € liegen.“
- Synergien für den Käufer: „Durch die Integration in Ihre bestehende Logistik können Sie die EBITDA-Marge um 5 Prozentpunkte steigern.“
- Strategischer Wert: „Unsere Marke hat einen Bekanntheitsgrad von 40% in der Zielgruppe – das lässt sich nicht in drei Jahren aufbauen.“
- Vergleichstransaktionen: „Die letzte vergleichbare Transaktion in unserer Branche lag bei einem Multiplikator von 4x.“
Strukturelle Optionen bei Bewertungslücken
Wenn Käufer und Verkäufer beim Bewertungsfaktor nicht zusammenkommen, können Deal-Strukturen helfen, die Lücke zu überbrücken:
- Earn-Out: Ein Teil des Kaufpreises wird an das Erreichen zukünftiger Ziele (Umsatz, EBITDA) geknüpft. Mehr dazu: Was ist die Earn-Out-Klausel?
- Verkäuferdarlehen: Der Verkäufer finanziert einen Teil des Kaufpreises und erhält diesen über Zeit zurück.
- Rückbeteiligung: Der Verkäufer behält einen Minderheitsanteil und profitiert von der zukünftigen Wertsteigerung.
Häufige Fragen zum EBITDA Multiple
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